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Dubiose Auftragsvergabe: TIWAG trickst Bestbieter bei KW Kirchbichl aus

Die TIWAG will die Leistung des Kraftwerks Kirchbichl durch den Einsatz einer zusätzlichen Turbine nahezu verdoppeln.
Um genau diese Turbine (eine Kaplan-Rohrturbine mit horizontaler Achse) plus Generator dreht es sich: Im Bieterverfahren soll die TIWAG mit übelsten Schikanen dafür gesorgt haben, dass das wirtschaftlich und technisch beste Offert ausgebootet wurde.

Vor wenigen Tagen ist bei der TIWAG eine massive Beschwerde des bei der Auftragsvergabe übergangenen Unternehmens, der slowenischen Litostroj Power, eingelangt. Im Schreiben, das auch an die Bundeswettbewerbsbehörde in Wien ergangen ist, werden schwerste Vorwürfe wegen beispielloser Geschäftspraktiken („unprecedented business practice“) gegenüber „Dear Mr. Entstrasser, Dear Mr. Gasser und Dear Mr. Herdina" erhoben.

Auf Ersuchen der TIWAG hat der Laibacher Hersteller Listroj Power (LP) im Februar dieses Jahres ein Angebot für eine entsprechende Turbine mit geforderten 100 Umdrehungen pro Minute eingebracht. Vier Wochen später erbat die TIWAG eine Modifikation der Turbine, was zum Anbot einer Maschine mit 90,9 rpm (rotations per minute) führte. Später hieß es, LP habe zwar das beste Offert gemacht, aber der Mitbewerber biete eine Turbine mit 100 rpm an, nicht nur mit 90,9 rpm.

In der Zwischenzeit hatte es auf Einladung der TIWAG ein Meeting in Innsbruck gegeben, wobei der Chef der Anlagenplanung bei der TIWAG die Slowenen davor gewarnt hatte, zu günstig anzubieten:



„… LP soll keine Dumping-Preise anbieten, denn die TIWAG wolle einen seriösen Partner um einen fairen Preis, welcher das Projekt anständig umsetze“


LP ist laut Branchenkennern ein seriöser Partner und eine wirtschaftlich und technisch ausgezeichnete Firma, nebenbei ein Tochterunternehmen der weltweit tätigen Energo-Pro in Prag.

Als nächste Schikane verlangte die TIWAG von den Slowenen - komplett unüblicher Weise - eine Bankgarantie in der Höhe von 70 Prozent des Leistungsumfanges. Wobei die TIWAG sogar zugab, dass sie eine solche von den anderen Bietern nicht einfordere. Das heißt, man wollte Litosroj Power quälen bis zur Aufgabe. Die Konzernmutter Energo-Pro bot sogar eine Erklärung der tschechischen Exportbank an, wonach es sich bei der Unternehmensgruppe um eine hervorragende Kundschaft handle. Die TIWAG hat nicht einmal drauf geantwortet. Auch das spätere Entgegenkommen der Slowenen mit einer Bankgarantie in der Höhe von 50 Prozent des Vertragswertes wurde nicht akzeptiert.




„Anzeichen völlig unfairen Vorgehens … Verstoß gegen die vereinbarten Bedingungen und unfaire Praktik … Ungleichbehandlung der Bewerber … absichtlich so gemacht“
(Spatenstich Kirchbichl, Mai 2017)


Um die Slowenen endgültig zu biegen, soll die TIWAG sogar die Leistung der von LP angebotenen Turbine künstlich herabgesetzt haben, um sie, wie sie erklärte, mit anderen Anbietern vergleichbar zu machen. LP spricht von einem „extrem unfairen und nichttransparenten Bewertungsprozess“.
Es besteht der Verdacht, dass die Vergabe des Auftrages lange vor dem Bieterverfahren bereits feststand, sie erging, wie fast immer bei der TIWAG, an die deutsche Voith Hydro mit ihrem Österreichsitz in St. Pölten.

Die Slowenen sprechen von 60.000 Euro, welche sie die – wie man sieht – von vornherein aussichtslose Angebotslegung gekostet habe.

Complaint about the evaluation procedure (Beschwerde)

*

Litostroj Power hat die Echtheit des Schreibens bestätigt, war aber darüberhinaus zu keiner Stellungnahme bereit.


7.9.2017

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