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Die höchst dubiose Finanzierung einer Moskaureise

Hannes Apfolterer, hauptberuflich Oberst des Bundesheeres und Kommandant der Militärmusik Tirol, ehrenamtlich Kapellmeister der Original Tiroler Kaiserjägermusik, hatte für letztere „dank der hohen Wertschätzung, die man mir in Moskau entgegenbringt“ eine Einladung zum Militärmusikfestival „Spasskaya Tower 2016“ in der russischen Hauptstadt erwirkt.
Zwölf Tage Unterbringung und Verpflegung im Hotel für 72 Mann frei.
Nur die Kosten für Hin- und Rückflug inklusive Transport der Fahnen und Musikinstrumente sind vom Verein aufzubringen.




Hannes Apfolterer: „Mein besonderer Dank für die große Wertschätzung, die wir in Moskau erfahren durften, geht an den Kommandanten des Moskauer Kreml, Generalleutnant Sergej Dmitrijewitsch Klebnikov. Er überreichte mir im Rahmen einer Pressekonferenz zum Dank einen eigens angefertigten wunderschönen Säbel, der aus der u. a. für die Herstellung von Klingen bekannten Stadt Slatoust im Ural stammt.“ (hier)


Um die dennoch sehr kostspielige Reise, an der vor allem dem mehr als nur geltungssüchtigen Kapellmeister sehr gelegen ist, nach dem Abspringen öffentlicher Geldgeber (aber das ist eine andere Geschichte) doch noch auszufinanzieren, wir sprechen von fehlenden fünfundzwanzigtausend von insgesamt etwa einundvierzigtausend Euro, werden in kurzen Abständen „Spenden“ rätselhafter Herkunft in der Höhe von 25.000 Euro auf die zwei Konten der Kaiserjägermusik (Hypo Tirol Bank und Raiffeisen Landesbank) geschleust.

Als Auftraggeber der Überweisungen scheint das Landecker Unternehmen „Elektro Müller GmbH & Co KG“ auf, bei welchem ausgerechnet der Vereinskassier der Original Tiroler Kaiserjägermusik, Reinhard Auer, als Chefbuchhalter tätig ist. Die dabei angegebenen Zahlungsreferenzen sind höchst dubios. So lautet zum Beispiel jene bei der Überweisung von 15.000 Euro der Fa. Müller auf das Hypo-Konto des Vereins zwölf Tage vor dem Abflug nach Moskau: „512006, REF: 36000160810-0864397-0000097 EWE Kuechen GmbH“.

In einem Schreiben an Vorstand und Ausschuss des Vereins äußert sich die für die Konten der Kaiserjägermusik damals zuständige (inzwischen von Apfolterer abgesägte) Sekretärin am 19.2.2017 dazu folgendermaßen:




Als die zeichnungsberechtigte Sekretärin Hannes Apfolterer um Aufklärung über die Herkunft der ominösen Gelder ersucht, erhält sie zur Antwort, dass es sich hier „um top-secret-Beträge“ handle und die Firma Elektro Müller „nicht namentlich erwähnt werden darf“.

Wie gesagt, am 19. Februar, ein Sonntag, hat die sehr umsichtige und korrekte Ex-Sekretärin des Vereins den Vorstand über die sonderbaren Zahlungen informiert. Bereits am darauffolgenden Morgen entwickelt der Kassier des Vereins, Reinhard Auer, gleichzeitig für das Rechnungswesen der Firma Elektro Müller zuständig, eine höchst auffällige Betriebsamkeit. In insgesamt sechs Transaktionen fließen an diesem Tag exakt 20.000 Euro von Innsbruck nach Landeck und gleichzeitig vom Privatkonto Auers aus dem Oberland nach Innsbruck.




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Fast gar nicht auffällig: Der Kassier der Kaiserjägermusik Reinhard Auer rücküberweist „top-secret-Spenden“ der Fa. Auer in zwei unrunden Beträgen mit der Gesamtsumme von exakt 20.000 Euro an die Firma zurück, in welcher er Buchhalter ist, und ersetzt den Kaiserjägern den nun dort fehlenden Betrag mittels vier Einzahlungen von je exakt 5.000 Euro unter seinem Namen. All dies passiert auf dem Vereinskonto 00506980 bei der Raiffeisenlandesbank innerhalb weniger Stunden.


Grau die Uniform, dunkelgrau die Geldflüsse des Apfolterer-Vereins

Was ist hier gelaufen?
Aus welcher Quelle, die nicht genannt werden darf, kam das Geld tatsächlich?
Wer ist der „top-secret-Spender“?
Warum mussten über Nacht 20.000 Euro zurückgegeben werden?
Für wen steht Reinhard Auer?
Welche Rolle spielt „Elektro Müller“?
Was hat Herr Apfolterer zu verbergen?

Nicht nur die Vereinsmitglieder verlangen Aufklärung, auch die Öffentlichkeit hat ein Recht zu erfahren, wie der Verein (Schirmherr: Günther Platter) geführt wird, in den zuletzt mehr als 400.000 Euro an Subventionen von Stadt und Land geflossen sind. Dazu kommen noch laufend Sponsorgelder der Landesunternehmen Hypo und TIWAG, nicht zu knapp (hier).


Zur Person Hannes Apfolterer

Nicht jeder Militärmusiker wie Apfolterer ist ein Militarist wie Apfolterer, nicht einmal jeder Bundesheer-Oberst wie Apfolterer ist einer, schon gar nicht so ein überdrehter wie Apfolterer. Nicht nur, dass er mit seinem militärischen Geländefahrzeug durchs Heimatdorf kurvt und schon einmal im Tarnanzug zur Musikprobe erscheint, mit der Cobra und dem Jagdkommando trainiert und offenbar ein Faible für Diktaturen hat (Libyen, Russland). Als Kapellmeister der Militärmusikkapelle soll er zum Einstudieren von Musikstücken zeitweise Kampfanzug vorgeschrieben haben, und mit der Kaiserjägermusik lebt er seine Vorliebe für die Nazi-Komponisten Sepp Tanzer (Standschützen-Marsch) und Josef Eduard Ploner („Wach auf, du deutsches Land“) aus.
Besonders unappetitliche Geschichten erzählt man sich über den Keller in seinem Wohnhaus in Stumm. Apfolterer soll sich dort eine Art Militärmuseum eingerichtet haben, in dem er auch komponiert, einen Raum gespickt voll mit Nazi-Devotionalien, um es deutlicher zu sagen: Andenken an den Hitlerterror. Außerdem wird von einer „Waffensammlung größeren Ausmaßes“ berichtet.
Als Hochzeitstermin hat er sich 1996 „Führers Geburtstag“ ausgesucht.

Hannes Apfolterer ist heute zugleich Kapellmeister der Original Kaiserjägermusik und deren Obmann. Als letzterer bezahlt er ersterem für sein Ehrenamt auch eine jährliche Gage von 21.000 Euro aus.
Leider hat Apfolterer vergessen, diese Nebeneinkünfte auch dem Finanzamt zu melden.



28.3.2017


Update, 29.3.2017; 12:00:

Die Firma Elektro Müller teilt mit, dass sie mit dem dubiosen Sponsoring der Kaiserjägermusik und mit den geschilderten Malversationen nichts zu tun hat. Sie sieht sich selbst als Geschädigte.
Der involvierte Buchhalter von Elektro Müller wurde gestern, also noch am Erscheinungstag obigen Artikels, fristlos entlassen.


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