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Die TIWAG verkauft 95.000 m² Gewerbegrund, der ihr nicht gehört

Die Nazis haben 1941/42 fünfzig Bauern in Haiming 20 Hektar Wiesen für ein Kraftwerksprojekt abgepresst, das nie realisiert worden ist. Jetzt hat die TIWAG als Rechtsnachfolgerin, als Unrechtsnachfolgerin der seinerzeitigen Errichter-Gesellschaft einen großen Teil der Flächen - anstatt sie zu restituieren - an den Speckindustriellen Handl verklopft.

Wo bekommt man heute noch in der Inntalfurche 10 Hektar zusammenhängende brettlebene Fläche mit Option auf weitere 10 Hektar? Mit Autobahnanschluss und Schnellzugstation in Rufweite, zwölf Kilometer vom Firmensitz in Schönwies entfernt.


Mehr Massenproduktion aus mehr Massentierhaltung

Die Handl Tyrol GmbH, die heute mit über 500 Beschäftigten an drei Standorten vor allem Fließbandspeck herstellt, will ihre Produktion verdoppeln. In Haiming.

Eingefädelt hat den Deal Günther Platter, hie Handl-Spezl, dort TIWAG-Eigentümervertreter. Man nennt das wohl ein Dreiecksgeschäft (wobei von mir aus der dritte und der vierte Buchstabe auch wegfallen können).
Klar, der TIWAG geht’s nicht gut nach der Katastrophe Wallnöfer, sie braucht das Geld. Umso mehr als sie 2017, entgegen der Abmachung in Zusammenhang mit der Hypo-Rettung 2012, heuer schon wieder eine dicke Dividende an das Land zahlen muss, damit Günther Platter auf die Landtagswahlen hin ein gutes Landesbudget vorweisen kann. „Everything hangs together“, wie der zeitgenössische deutsche Philosoph Günther Öttinger einmal gesagt hat.




Kreislaufwirtschaft


Karl Handl und Günther Platter gehen zusammen auf die Jagd, fliegen zusammen in der Weltgeschichte herum (Peru, Nepal, Uganda): Zwei dicke Freunde, besonders der eine. Karl Handl sponsert und unterstützt Platter auch im Wahlkampf. Da ist es nur recht und billig, wenn er ihm diese neuen Betriebsflächen zuschanzt.
Nein unrecht! Billig? Ja, billig schon.


Unrecht Gut

Nach dem Einmarsch der Nazis im März 1938 gehen diese sofort daran, die kriegswichtigen Wasserkräfte Österreichs auszubeuten. Auch die Vorbereitungen für die Realisierung einer vorher bereits zweimal gescheiterten „Kraftwerksgruppe Ötztal“ werden wieder aufgenommen. Das unterste Krafthaus für das größenwahnsinnige Projekt mit fünf Speichern (Vent, Zwieselstein, Huben, Sulztal, Finstertal) ist im Westen von Haiming, südlich der Staatsstraße, als Kaverne am Fuße des Ambergs geplant. Es ist aber nicht die TIWAG, der dieses Vorhaben übertragen wird, sie kommt erst später wieder ins Spiel, wie man sagt, ins grausame Spiel, wie man sagen muss. Trotzdem eine kleine Abschweifung:

TIWAG

1938 wird die TIWAG auf Anordnung Hermann Görings, bis dahin zu 49 Prozent im Eigentum der Stadt Innsbruck und zu 44 Prozent einer Wiener Bankengruppe, der Rest in Streubesitz (davon Land Tirol: 1,9 %), von der Vereinigten Industrie AG (VIAG) in Berlin übernommen und unter Beibehaltung des Namens in deren neu gegründete Tochtergesellschaft Alpen-Elektrowerke AG Wien (AEW) eingebracht. Die VIAG selbst ist direkt dem Reichswirtschaftsministerium unterstellt.
Die feindliche Übernahme der TIWAG (Ablöse der Aktienanteile) wird betrieben durch Robert Steiner, den bisherigen Direktor der TIWAG, der zum Vorstand der AEW aufgestiegen ist.

Der Jenbacher Robert Steiner ist vordem für europäische Energieunternehmen in Niederländisch-Indien (Indonesien) tätig, wo er 1932 auch eine Landesgruppe der NSDAP gründet. Von 1934 an ist er Chef der TIWAG, 1938 wechselt er in deren Aufsichtsrat, dessen Vorsitz Gauleiter Franz Hofer innehat. Vorstand der TIWAG wird nach Steiner der SS-Sturmbannführer Franz Sterzinger (stellvertretender Gauleiter in der illegalen Zeit, dem nach dem Krieg die Flucht nach Argentinien gelang), dessen Stellvertreter ab 1940 Georg Bilgeri, der 1923 bereits am Hitler-Putsch in München beteiligt war und später zum SS-Oberführer aufstieg. Als Gauwirtschaftsberater beim Gauleiter organisierte Bilgeri auch die „Entjudungsmaßnahmen“ in Tirol und Vorarlberg.

Nach dem Krieg ist Steiner wegen Nazi-Aktivitäten eineinhalb Jahre in Glasenbach interniert, bevor er 1947 gleich wieder an die Spitze der TIWAG zurückkehrt (!), zuerst als Leiter des unter kommissarischer Verwaltung stehenden Unternehmens, ab 1953, bis zu seinem Pensionsantritt 1959, als dessen alleiniger Vorstand. 1959 erhält er das Verdienstzeichen des Landes Tirol.

Die TIWAG hat ihre dunkelbraune Vergangenheit – im Gegensatz etwa zu der Illwerke AG – nicht „aufgearbeitet“. Und sie sitzt bis heute auf Nazi-Vermögen.



Für die geplante Ötztaler Speicherkette mit insgesamt neun Kraftwerksstufen und einer Gesamtleistung von über 1000 Megawatt wird eine eigene, quasi reichseigene Aktiengesellschaft mit Sitz in Innsbruck geschaffen, die Westtiroler Kraftwerke AG.


Westtiroler Kraftwerke AG

Im November 1940 gegründet, im Jänner 1941 ins Handelsregister eingetragen, steht die neue Gesellschaft zu je 47,5 Prozent im Besitz der Alpen Elektrowerke AG (Wien) und der Rheinisch Westfälischen Elektrizitätswerke AG (RWE) in Essen, der Rest wird vom Reichsgau Tirol-Vorarlberg gehalten. Den Vorstand bilden neben einem Vertreter der RWE ein ebensolcher der Alpenelektrowerke, nämlich Hermann Grengg, der Bauleiter von Kaprun in der Nazizeit, illegales NSDAP-Mitglied seit 1932 und nach dem Krieg in Glasenbach interniert, zudem die beiden oben genannten SS-Führer Bilgeri und Sterzinger von Seiten der TIWAG.
Gauleiter Franz Hofer sitzt dem Aufsichtsrat vor, dem auch Robert Steiner angehört. Außerdem sitzen darin noch u.a. der VIAG-Vorstand Alfred Olscher, Mitglied des Freundeskreises Reichsführer SS, sowie der Gauhauptmann und SS-Standartenführer Gustav Linert für den Gau Tirol-Vorarlberg. Der Mitaktionär RWE, dessen Aufsichtsratschef der Ruhrindustrielle Albert Vögler ist, der schon Hitlers Aufstieg mitfinanziert hatte, lässt sich in der Westtiroler Kraftwerke AG durch Ernst Henke und Artur Koepchen vertreten, zwei Mitglieder des RWE-Vorstandes, der 1933 geschlossen in die NSDAP eingetreten war.





Ingenieur Edgar Neuhauser, der hier als Oberbauleiter für die „Westiroler“ unterschreibt, macht später als Chef der Abteilung Wasserkraftausbau bei der TIWAG Karriere.


1948 wird vom Land Tirol und dem Verbund zu gleichen Teilen die Studiengesellschaft Westtirol als eine Art Auffanggesellschaft für das Ötztal-Projekt gegründet. Parallel dazu bleibt die Westtiroler Kraftwerke AG auf dem Papier vorerst erhalten, 1965 geht sie in der Studiengesellschaft auf; deren Landesanteil übernimmt die TIWAG bereits 1967, im Jahr 2003 auch jenen vom Verbund. 2007 wird die Studiengesellschaft als Tochterunternehmen aufgelöst. Das Anlagevermögen geht damit auch formal in den Besitz der TIWAG über.



Wie man sieht, wimmelts bei der Westtiroler Kraftwerke AG von hundert- und hundertfünfzigprozentigen Nazis, sodass ein kleiner Bauer in Haiming dieser brutalen Übermacht gegenüber gezwungener Maßen, richtig: gezwungener Maßen, noch kleiner werden muss.

Zwanzig Hektar Felder und Wiesen von Haiminger Bauern und zudem ausgedehnte Waldflächen, die zwar der Gemeinde gehören, aber durchwegs mit ewigen Nutzungsrechten Privater belastet sind, sollen für das Unterstufenkrafthaus, für Deponieflächen und nicht zuletzt für die Arbeiterbaracken, sagen wir einmal, beigeschafft werden. Das ist Sache der „Deutschen Ansiedlungsgesellschaft“ mit Sitz in Berlin - in Vertretung der Westtiroler Kraftwerke AG.

Wer ist diese Ansiedlungsgesellschaft? Sie ist direkt dem Reichsführer SS Heinrich Himmler unterstellt und schließt in Vertretung der Westtiroler Kraftwerke AG die „Kaufverträge“ mit den Haiminger Bauern ab. Vorstandschef der DAG ist mit Hans Iversen ein SS-Obersturmbannführer, Vorsitzender des Aufsichtsrates der berüchtigte SS-Obergruppenführer und General der Waffen-SS Oswald Pohl, dem als Verwaltungschef der Reichsführung SS auch die „Generalinspektion Konzentrationslagerwesen“ unterstellt ist.




Pohl wird 1951 als Kriegsverbrecher hingerichtet, seine Bestialitäten sind hier schön nachzulesen, schön grausig nachzulesen.
Mit ihm im Aufsichtsrat dieser „Deutschen Ansiedlungsgesellschaft“ – mit eigener Außenstelle in Innsbruck – sitzen der Chef des SS-Rasse- und Siedlungshauptamtes und General der Waffen-SS Günther Pancke sowie der Leiter des SS-Hauptamtes und Referent des SS-Reichsführers Ulrich Greifelt, beide 1948 wegen schwerer Kriegsverbrechen zu langen Haftstrafen verurteilt.


„Es ginge nach Dachau“

Was 1941/42 in Haiming passiert ist, ließe sich an vielen Einzelschicksalen erzählen. Hier soll es am Fall des Alois Raffl, Bauer, Unternehmer, Vater von fünf Kindern, getan werden, weil hierzu recht viele und recht eindeutige Zeitdokumente vorliegen.





„Keine Juden beteiligt“, nein, Nazis, dahinter das SS-Reichskommissariat Heinrich Himmlers: „Kaufvertrag“ vom 29. Oktober 1941, „die Übernahme erfolgt am 1. Mai 1941“ (also rückwirkend).


Obiger Vertrag betrifft eine knapp einen Hektar große Wiese Raffls (9.566 m²), bestehend aus vier Parzellnummern, die wie die angrenzenden, anderen Besitzern abgenötigten Grundstücke dann in einer einzigen riesigen Parzelle mit der Nummer 6267 aufgehen, die Handl nun auch als eine von mehreren von der TIWAG, der Erbin des seinerzeitigen Käufers, erworben hat. Für „meine mir abgepresste Wiese“ (Raffl) erhielt er 5.086,40 Reichsmark, was einem Quadratmeterpreis von 53 Reichspfennig oder umgelegt auf die heutige Kaufkraft 3,78 Euro entspricht. (Handl, der zu einem günstigen Preis kauft, zahlt 50 Euro pro m².)

Wer ist dieser Alois Raffl? Vor 1938 in verschiedensten Funktionen in der Gemeinde tätig, beim Obstbauverein, bei der Musikkapelle, als Kommandant der Feuerwehr, als Obmann des Viehvereins, als Gründer und Obmann des Verschönerungsvereins, im Gemeinderat, wird er mit dem Anschluss „aller Vertrauensposten enthoben“, wie er das später selber nobel ausdrückt. Der von den Nazis eingesetzte Bürgermeister kündigt ihm, der auch Schotterunternehmer ist, fristlos die gepachtete Sandgrube und versucht ihm zwei Jagdhütten zu enteignen, die dem neuen Jagdpächter, dem Industriellen Rudolf Emmerling, „ein Bonze aus dem Altreich“ (Raffl) zufallen sollten. 1943 wird er, Schwerkriegsversehrter des 1. Weltkrieges, als der älteste eingezogene Haiminger per Ultimatum („binnen 48 Stunden“) zum Luftwaffendienst ins heute polnische Oppeln einberufen. Ende des Krieges ist er im Widerstand aktiv und - gerade auf Heimaturlaub - mitbeteiligt, die Magerbachbrücke in Haiming vor der Sprengung durch die Nazis zu retten (Zeitzeugenbericht).

Der völlig unverdächtige spätere Landtagspräsident Adolf Platzgummer, 1938 als Vorsteher des Bezirksgerichts Silz abgesetzt, selbst in der NS-Zeit im Widerstand und zweimal inhaftiert, bezeichnet unseren Alois Raffl in einer Niederschrift nach dem Krieg als „den größten und entschlossensten Nazihasser, den ich kennengelernt habe. (…) Ich weiß mit voller Sicherheit, dass Raffl nicht bloß ein versteckter und heimlicher, sondern ein offener Gegner des Nazismus war. (…) Mir ist auch bekannt, dass Raffl von den Nazi schärfstens verfolgt wurde. Ich kenne im ganzen Oberinntal niemanden, der größeren wirtschaftlichen und sonstigen Verfolgungen ausgesetzt gewesen wäre als er. Man schädigte ihn geschäftlich und wirtschaftlich, wo immer man ihn bekam.“ Platzgummer sagt, „dass Raffl nicht bloß viele Monate, sondern viele Jahre vor dem Umsturz 1945 das Nazisystem nicht bloß gemieden und sabotiert, sondern geradezu gehasst und verabscheut hat wie niemand aus meiner ganzen grundsätzlich nazifeindlichen Umgebung und Bekanntschaft“.

Vielleicht weil Raffl harten Widerstand leistet gegen die Abtretung seiner Gründe und auch andere Gemeindebürger, die sich wehren, berät, wird er besonders drangsaliert und schikaniert, auch vom eigenen, von den Nazis eingesetzten Bürgermeister, der ihm den Pacht der existenznotwendigen Schottergrube auf Gemeindegrund von einem Tag auf den anderen aufkündigt.

Die Westtiroler Kraftwerke räubern 1941 und erst recht 1942 alles zusammen in diesem Bereich, weit über das für die Krafthausanlage tatsächlich Benötigte hinaus, so auch unzählige Waldparzellen, die zwar formal im Besitz der Gemeinde sind, an denen aber die Nutzungsrechte, im sogenannten Waldbuch flächenmäßig exakt zugeteilt, den Waldbauern von Haiming gehören.

Alois Raffl, dem auf diese Weise vier schöne Waldparzellen, neben der Straße gelegen, abgepresst werden, hat zu den Vorgängen damals ein Protokoll verfasst, das ein beeindruckendes Zeitdokument darstellt.




Wie Raffl an anderer Stelle festhält, wurden ihm zuerst von „Dr. Fritz“, dem Leiter der Deutschen Ansiedlungsgesellschaft in Innsbruck, für die Abtretung der Nutzung an den vier Waldteilen 9.000 Reichsmark (RM) zugesagt. Damit wurde er nach Innsbruck gelockt. Dort hieß es dann, man habe sich verrechnet. Es seien 4.500 RM. Abgefertigt wurde Raffl schließlich mit 2.577,10 RM. Der Verkauf ist, wie Raffl es noch in der NS-Zeit (!) in einem Schreiben von der Front an die Bauleitung der Westtiroler Kraftwerke AG klar und mutig formuliert „in unfreier Wahl“ geschehen. In einer detaillierten Wiedergabe des gesamten Geschehens vom Juni 1942, die Raffl im Reservelazarett Zams im November 1944 maschinenschriftlich verfasst, schreibt er, dass er sich nur „unter dem Druck bezw. der Drohungen zum Verkaufe von 4 Waldteilen einverstanden erklärt“ habe (wobei der Verkauf des immerwährenden Nutzungsrechtes an den Waldteilen gemeint ist).

Weiters wurde aus Wäldern, deren Bestand den Haiminger Bauern gehörte, Holz für die Baustellen der Kraftwerksgesellschaft gestohlen, ungefragt, bzw. per Verfügung des Landrates nach dem Reichsleistungsgesetz (RLG). Auch davon war Alois Raffl, neben vielen weiteren Haimingern, betroffen.






Klarer Vermögensentzug

Es besteht nicht der geringste Zweifel, dass die Nazis den Haiminger Bauern 200.000 m² Bauland unter Druck und unter Wert abgepresst haben. Unter Druck und unter Wert abgepresst haben. Und unter stetiger Androhung der Zwangsenteignung.
Den Bauern ist damals von den Räubern ihrer Grundstücke mehrfach versprochen worden, mündlich wie schriftlich, dass sie Flächen, die letztlich nicht direkt für die Kraftwerksanlage oder nur zeitlich und nach der Baufertigstellung nicht mehr benötigt würden, zurückkaufen könnten. Davon wollten die Westtiroler Kraftwerke nach dem Kriege nichts mehr hören, auch wenn das Projekt über ein Bauvorbereitungsstadium nie hinausgekommen war. Auch unser Alois Raffl hat nach dem Krieg in unzähligen, letztlich untauglichen Anläufen versucht, zumindest wieder an Teile seines Besitzes zu kommen. Im Wege braver Schreiben an den Direktor der weiterbestehenden Westtiroler Kraftwerke zum Beispiel:





Das Deutsche Reich wurde zerschlagen. Die Nazis blieben.

Wenn man weiß, wie naziverseucht die Westtiroler Kraftwerke AG und die hinter ihr stehende TIWAG personell auch nach dem Krieg noch immer waren, mag man sich darüber gar nicht wundern.
Mehr Glück, nein, mehr Macht hatte da die Stadt Innsbruck, die 1938 ihren Anteil von 49 Prozent an der TIWAG an die Alpen-Elektrowerke AG zu einem guten Preis abgegeben hatte, das heißt mit einem 50prozentigen Aufschlag zum Nennwert der Aktien. Im Rückstellungsverfahren in den 50er Jahren wurden ihr 17 Prozent an der nun wesentlich größeren TIWAG angeboten oder – wofür sich Innsbruck dann auch entschieden hat - eine Abschlagszahlung von 50 Millionen Schilling.

„Verkauf“ nennt man etwas, wenn sich der Verkäufer den Käufer ebenso wie den Zeitpunkt seines Verkaufs aussuchen und Einfluss auf den Verkaufspreis nehmen kann. Es ist Nötigung, wenn jemand, der nicht freiwillig zum Verkauf erscheint, bereits mit Strafe bedroht wird:




Den Haiminger Bauern ist mit dem Zwang zum Verkauf, mit der Unterbezahlung und mit der verweigerten Restitution dreifaches Unrecht geschehen. Und was macht die TIWAG? Sie, die Kriegsgewinnlerin, beharrt bis heute auf diesem Unrecht. Als Raffls Sohn und Rechtsnachfolger Siegfried im Sommer 2016 unter Hinweis darauf, „wie sehr sich die TIWAG an nationalsozialistischen Errungenschaften zum Schaden ehemaliger Grundbesitzer bereichert“ hat, den Rückkauf seiner Wiesen und Waldnutzungsrechte einfordert, reagiert die TIWAG wie … , ja, man muss es sagen, wie wenn hier immer noch die Deutsche Ansiedlungsgesellschaft das Sagen hätte. Sie droht – weil doch in dieser Sache längst alles geklärt sei – über ihren Anwalt Andreas Brugger damit, dass sich die TIWAG „mit den von der Rechtsordnung hierfür vorgesehenen Mitteln zur Wehr setzen würde“, also mit Klage. Die TIWAG versteigt sich sogar zu der Behauptung, dass „die Ablöse nicht unter nationalsozialistischem Druck stattfand“, was durch die hier vorgelegten Dokumente wohl mehr als nur widerlegt ist.


Der Kuhhandel mit dem Speck-Handl

In den 50er und 60er Jahren gab es zweimal neue Anläufe, an dieser Stelle doch noch ein Krafthaus für eine verkleinerte Kraftwerkskette im Ötztal zu errichten. Mit diesen weiterbestehenden Bestrebungen konnte das Hinauszögern der Restitution jahrzehntelang zumindest behelfsmäßig begründet werden. Jetzt aber, da die Flächen an den Speckfabrikanten Handl verpascht werden und damit endgültig nicht mehr für einen Kraftwerksbau zur Verfügung stehen, fällt diese Argumentation komplett weg. Aber die TIWAG unter Eigentümervertreter Günther Platter, Profiteurin des Nazi-Regimes für etwas, wofür sie nie eine Reichsmark ausgegeben hat, macht noch immer keinen Naggler.

Auf jenen Wiesen und Feldern, die den Haiminger Bauern seinerzeit von den Nazis entzogen wurden, auf jenem Platz, auf dem ab 1941 die Lagerbaracken für mehr als 1200 großteils Zwangsarbeiter, Polen, Russen, Ukrainer, standen, der mit dem Schweiß und Blut von Kriegsgefangenen getränkt ist, will Speck Handl seine industrielle Schweineverwertung bis zum Exzess ausdehnen, letztlich auf bis zu 60.000 m² bebaute Fläche. Zuerst verkauft ihm die TIWAG günstigst, weil mit vier störenden Hochspannungsmasten belastet, den ungewidmeten Grund, dann räumt sie ihm auch noch zu limitierten Fixkosten die Masten aus dem Weg, auf dass er sich auf den Parzellen 3045/2, 3046, 6271, 6267, 6353, 4086/2, 3044/2, 6352, 3046, 4084, 5687/4, 3047, 3048, 4085, 5616,5589/12, 4083, 3118/2, 5689, 3046, 3051, 3045/2, 3050, 6269, 6268, 6270, 5719/5 und 3049, alle KG Haiming, die nächsten hundert Jahre ungehindert ausdehnen oder Teilflächen weitervertscheppern kann, wenn sein Plan nicht aufgeht. Handl, der übrigens Agrarförderungen von der EU in einer Höhe kassiert (wofür eigentlich?), die in etwa jener von 200 Schrofenbauern zusammen im Tiroler Oberland entspricht, hat nämlich hinsichtlich Haiming stark auf den US-Markt spekuliert und fest mit den Handelsabkommen CETA und TTIP gerechnet.

Damals war Franz Hofer als Landeshauptmann Aufsichtsratsvorsitzender der Westtiroler Kraftwerke AG. Heute ist Günther Platter als Landeshauptmann Eigentümervertreter von deren Rechtsnachfolgerin, der TIWAG. Immerhin ein großer Unterschied. Nicht für die Haiminger. Die TIWAG begegnet ihnen mit derselben Überheblichkeit und Ignoranz wie seinerzeit die WTK.




Von der SS (im Bild der Chef der Deutschen Ansiedlungsgesellschaft Oswald Pohl mit seinem Chef Heinrich Himmler), die für die WTK die Riesenfläche requiriert hat, über die TIWAG, die das braune Erbe angetreten hat, zur Handl Tyrol GmbH, die ihr Geschäft auf Massentierhaltung und Massentierleid aufgebaut hat.


Warum kann die TIWAG diesen großen Landbesitz, diesen Landesbesitz – ohne Ausschreibung - so günstig an Handl abgeben? Weil sie nie etwas dafür bezahlen hat müssen. Weil Günther Platter ein Handl-Haberer ist. Wie kann die Obstbaugemeinde Haiming, nur weil der Bürgermeister Josef Leitner ein alter Jagdfreund von Günther Platter ist (hier), diese landwirtschaftlichen Flächen en bloc zu Bauland umwidmen und damit um ein Mehrfaches wertsteigern? Wie kann das alles vor den Augen der Welt hinter dem Rücken der Öffentlichkeit passieren?

Wo ist der Landtag? Wo sind die Medien? Wo ist der Aufschrei?

Die TIWAG muss die Flächen, die sie noch nicht verkauft hat, den seinerzeit erstens genötigten und zweitens betrogenen Besitzern zum Rückkauf anbieten und in der Causa Handl – falls der Verkauf der knapp 10 Hektar Gewerbegrund rechtskräftig ist und nicht mehr rückgängig gemacht werden kann (Handl steht, Stand heute, noch nicht als Eigentümer im Grundbuch) – die übervorteilten Vorbesitzer am nunmehrigen Verkaufserlös beteiligen. Handl seinerseits hat auf den Freundschaftspreis, den ihm die TIWAG gemacht hat, die Differenz auf den ortsüblichen Quadratmeterpreis zugunsten der seinerzeitigen Eigentümer draufzulegen.

Unrecht Gut gedeiht nicht.


9.1.2017


Hier wird über den Kuhhandel mit dem Speck-Handl im Forum diskutiert.


Ergänzung:

2012 hat RA Brugger noch ganz genau gewusst, wie man in der NS-Zeit bei Grundverschiebungen vorgegangen ist:





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