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Nicht an diesem Ort!
Nicht mit diesem Geld!


Jeder kann sich einen überlebensgroßen Eduard Wallnöfer in Bronze nachbauen lassen. Jeder kann sich diesen vor oder hinter seinem Haus aufstellen.
Was aber gar nicht geht, ist, Landesgedächtnisstiftungsgelder missbräuchlich für ein Heldendenkmal des Nazimitläufers zu verwenden und es auf einem Platz aufzustellen, der dem Gedenken an die Opfer des Dritten Reiches und an die Kämpfer gegen das Regime dient.

Eduard Wallnöfer, Mitglied der austrofaschistischen „Vaterländischen Front“, mag, wie gerne kolportiert wird, 1938, Wochen vor dem Einmarsch der Hitlertruppen noch „feindliche Äußerungen“ über die NSDAP gemacht haben, wenige Wochen nach dem sogenannten Anschluss hat er einen Antrag auf Aufnahme in ebendiese NSDAP gestellt. Seit 30. Juni 1938 gilt er als „Anwärter“ auf die Parteimitgliedschaft.





Als Sekretär der Bezirksbauernkammer Imst begleitet Eduard Wallnöfer im Juli 1938 den Landesbauernführer Jörgl Wurm als „enger Mitarbeiter“ bei einer Studienfahrt nach Württemberg.




Ganz links im Bild: Eduard Wallnöfer




Aus einem internen Veranstaltungsbericht: Beim „6.d.(M.)“ dürfte es sich um den 6. November 1938 handeln. E.W. tritt – obwohl erst Anwärter auf die Mitgliedschaft in der NSDAP - öffentlich schon als Parteigenosse („Pg.“) auf.






Obwohl Eduard Wallnöfer immer noch nicht offiziell in die Partei aufgenommen ist, bezahlt er nach eigenen Angaben seit Juli 1938 brav seine Mitgliedsbeiträge und zeigt sich auch privat und als bloßer Parteianwärter bereits mit dem Hakenkreuz am Rockrevers.




Die offizielle Aufnahme in die Partei verzögert sich infolge eines Verkehrsunfalles, an dem Wallnöfer 1940 beteiligt ist. Das Kreisgericht Imst der NSDAP sieht „diese Straftat als geringfüg an“, hält fest, dass „sie keinen Rückschluss auf das Vorliegen eines Charaktermangels zulässt“ und „beantragt im Einvernehmen mit dem Kreisleiter die Aufnahme des Eduard Wallnöfer … in die NSDAP“ (Beschluss vom 26. August 1941).



Die Mühlen mahlen – zumal mitten im Krieg – langsam und so geht der Aufnahmeantrag der Gauleitung Tirol-Vorarlberg auf dem Dienstweg erst im August 1943 an die Reichsleitung der NSDAP in München.

Formal wird Eduard Wallnöfer erst am 18. Februar 1944 Mitglied der NSDAP.
Seine Nummer: 9.566.289.

Nach dem Krieg will Eduard Wallnöfer mit alldem nichts mehr zu tun gehabt haben. Er gibt an, nie eine Ausweiskarte erhalten zu haben und immer als „politisch unzuverlässig“ gegolten zu haben. Er sei ja nur von außen „wiederholt aufgefordert worden“, einen Mitgliedsantrag zu stellen. Er habe eine „bekannt naziunfreundliche Haltung“ gehabt und sich sogar nach Innsbruck versetzen lassen, um „der nationalsozialistischen Bewegung den Rücken zu kehren“ (Antrag Wallnöfers auf Streichung aus der NS-Registrierungsliste, 9.6.1947).
Zu diesem Zeitpunkt war er bereits Mitglied der Österreichischen Volkspartei.

Ein Mitläufer wie er im Buche steht.


Missbräuchliche Verwendung von Stiftungsgeldern

Die Landesgedächtnisstiftung wurde 1957 in Hinblick auf das Gedenkjahr 1959 „zur Erinnerung an die Erhebung Tirols im Jahre 1809“ ins Leben gerufen. Ihre Aufgabe ist laut Stiftbrief die Erhaltung des kulturellen Erbes und die Unterstützung sozial bedürftiger Schüler und Studenten. Auch die nachträglichen Vergaberichtlinien stellen ausschließlich auf Erhaltungs- und Restaurierungsmaßnahmen kulturhistorisch bedeutsamer Bauwerke ab. Die Finanzierung eines Heldendenkmals für Eduard Wallnöfer ist damit ganz klar widmungswidrig.

Auch wenn Herwig van Staa, sein Schwiegersohn, der zufällig Vorsitzender des „Kuratoriums der Landesgedächtnisstiftung 1809-1959“ ist, diesen Fonds immer schon als seine private Brieftasche angesehen hat, nein, pardon, schlechter Vergleich: letztere klemmt nämlich beträchtlich, so handelt es sich hier um den Missbrauch einer Stiftung, die ausschließlich aus Landesmitteln und Gemeindeabgaben, sohin unseren Steuergeldern gespeist wird.

Die Sitzung der Landesgedächtnisstiftung vom vergangenen Montag, in der die Finanzierung des Denkmals nachträglich formal „beschlossen“ wurde, war, hört man, eine einzige Farce bzw., wie es ein Teilnehmer ausdrückt, „eine abgekartete Sache, die jeder Löwingerbühne gerecht geworden wäre“.

€ 130.000

plus Transportkosten, plus Aufstellungskosten, plus Spesen


Gezeigt hat sich, wie Herwig van Staa die gesamte ÖVP und mit ihr die gesamte Tiroler Politik nach wie vor am Bandl spazieren führt.
Es wird also an der Zivilgesellschaft liegen.

Nicht an diesem Ort!
Nicht mit diesem Geld!



7.11.2016


Hier wird im Forum über die Causa Wallnöfer-Denkmal diskutiert.



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