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Andreas Khol, der ewige Denunziant

Im jüngsten Profil wird gerade daran erinnert, wie Andreas Khol seinerzeit mit aller justiziellen Gewalt die Aufdeckung der Kinderschändungen durch den Wiener Kardinal Hans Hermann Groer zu verhindern versucht hatte.
Er, der heute auf das Amt des Bundespräsidenten spitzt, sah sich offenbar als oberste Zensurinstanz, die darüber entscheidet, was in Österreich gedruckt werden darf und was nicht.


Profil, 14.3.2016


Angelegentlich dieser Causa und Khols Streben nach dem höchsten Amt im Staate darf eine andere Geschichte hier bekannt gemacht werden, in welcher er als Zuträger der Industriellenvereinigung ganze Arbeit, Wühlarbeit nämlich, geleistet hat. Für die Industrie, die ihn und seine Arbeit immer schon gefördert hat und der er seine politischen Aussagen immer schon angepasst hat, hat er – dies hier nur nebenbei - ja auch nach der Volksabstimmung über Zwentendorf immer wieder für eine Inbetriebnahme mobilisiert. So zum Beispiel im Herbst 1985, ein halbes Jahr vor Tschernobyl, in der Monatszeitschrift „Conturen“ einer „Institut für Wirtschaft und Politik“ (IWIP) genannten Einrichtung der „Vereinigung Österreichischer Industrieller“ (VÖI). Sein Artikel „Warum ich für die Kernenergie bin“ enthält so schöne Sätze wie:
„Die Atomtechnologie ist eine Spitzentechnologie, zum Teil in Österreich entwickelt.“
„Keine Methode der Energiegewinnung belastet die Umwelt weniger als die Atomenergie.“
„Heute weiß ich, dass das Problem der Endlagerung ein Scheinproblem ist.“





Conturen, Oktober 1985


Die nächste große Schlacht der Industriellenvereinigung, in die sie alles geworfen hat, was sich hat werfen lassen, war deren EG-Beitritts-Kampagne, in welche sich Khol als Denunziant willfährig eingebracht hat.
Den größten Widerstand gegen den vor allem von der Industrie betriebenen EG-Beitritt Österreichs gab es von Anfang an in Tirol. (Auch bei der Volksabstimmung 1994 war in Tirol die Ablehnung weit höher als in allen anderen Bundesländern.) Also musste vor allem hier kräftig denunziert werden. Ein Herr Kratochvilla als Redakteur der „Östereichischen politischen Korrespondenz“, des Pressedienstes des „Instituts für Wirtschaft und Politik“ der Industriellenvereinigung ersuchte im Herbst 1988 die Tiroler ÖVP um Mitarbeit bei der Auskundschaftung der Tiroler EG-Gegner. Offenbar ohne sich untereinander zu verständigen wussten sowohl der ÖVP-Landesparteisekretär Robert Fiala als auch der ÖVP-Klubomann Helmut Mader ganz genau, an wen sie sich in Sachen Ausspionierung der EU-kritischen Tiroler Bürgerinitiativen nur wenden konnten: an Andreas Khol, Direktor der Politischen Akademie der ÖVP.





Wenige Wochen später kann Rudolf Kratochvilla die „Recherchen“ Khols als desavouirende Presseaussendung unter dem Titel „Linke und Katholiken formieren sich zum EG-Widerstand“ verbreiten:



Österreichische Politische Korrespondenz, 9.1.1989


Noch einmal vier Wochen später erscheint auf Kholscher Grundlage im Wochen-Magazin „industrie“ der Industriellenvereinigung sogar ein Ganzseiter über diese angebliche „unheilige Allianz“.




Industrie, 8.2.1989


Der „Tiroler Kritiker und Kenner der Szene“, der im letzten Absatz als Kronzeuge aufgerufen wird, ist unschwer als Andreas Khol auszumachen. Möglicherweise stammt aber auch der gesamte „Kratochvilla“-Artikel von ihm (dem tatsächlichen Anti-Europäer von heute).

PS. Als jemand, der von Anfang an die höchst demagogische Beitrittskampagne beobachtet und beschrieben hat (siehe FÖHN-Hefte 12, 13/14, 16 und 23/24), kann ich sagen, dass bestenfalls die Hälfte der oben aufgestellten Behauptungen etwas mit der Realität zu tun hatte. Aber der verfolgte Zweck war ja nicht deren Abbildung, sondern die Denunziation der Kritiker.


Apropos Khol: Telekom-Finanzierung im NR-Wahlkampf 2006


17.3.2016


Hier wird im Forum über Andreas Khol, den Laufburschen der Industrie, diskutiert.




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