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Der Urvater des Hypo-Tirol-Bank-Debakels

Hinter der Tiroler Volkspartei stand immer schon die Hypo Tirol. Als Finanzier. Hinter der Hypo Tirol stand immer schon die Tiroler Volkspartei. Als Anschaffer.
Niemand hat das je vorher oder nachher so formvollendet verkörpert wie der frühere Hypo-Vorstandschef und spätere ÖVP-Obmann Wendelin Weingartner.
Er war es auch, der in seiner kleingeistigen Großmannssucht die Landesbank geradeaus ins italienische Debakel (il fiasco) beordert hat.

Was ist von der Landeshauptmannschaft Weingartners (1993 – 2002) in Erinnerung geblieben? Sein Wien-Komplex und sein Tirol-Chauvinismus. Fertig. Aus dieser engen Weltsicht resultierte dann sein Marschbefehl für die Hypo gen Süden, der in der so verlustreichen Niederlage in Italien geendet hat.

Wendelin Weingartner stammt aus einem dunkelschwarzen Elternhaus und wird nach seinem Jusstudium sofort Landesbeamter wie sein Vater. Bei einem beruflichen Ausflug zum Verwaltungsgerichtshof nach Wien, wo er karrieremäßig nicht vorankommt, fängt er sich eine Wien-Antipathie ein, die sich später ins Krankhafte steigert. Es folgt eine idealtypische schwarze Parteikarriere, wo der Verwaltungsjurist (!) EDV-Organizer im Landhaus wird, der EDV-Chef (!) ebendort Wohnbau-Referent, der Wohnbau-Hofrat (!) Bankdirektor bei der Landes-Hypo und der karenzierte Bankdirektor Landeshauptmann der ÖVP.



Hypo-Anzeigen ohne Ende im Parteiorgan der Tiroler Volkspartei unter Krieghofer (links) und Weingartner (rechts)

Mit der Hypo im Rücken entwickelt Weingartner mit seinem Team eine Strategie, die seine Parteiobmannschaft (1991 – 2000) tragen soll, bei deren Umsetzung am Ende aber die Hypo unter die Räder kommt. Sein engster Beraterkreis besteht damals aus dem Organisationschef der Tiroler Volkspartei Martin Malaun, ihrem Hauptgeschäftsführer Helmut Krieghofer und dem Pressesprecher des Landeshauptmanns Jakob Wolf, allesamt heute in noch höheren Parteipositionen (als Landesparteigeschäftsführer, als ORF-Landesdirektor, als ÖVP-Landtagsklubobmann) Teil des aktuellen Hypo-Vernebelungskartells.


Auf Basis von Weingartners schon pathologischer Wien-Antipathie und deren Kompensation durch einen ebenso übersteigerten Tirol-Patriotismus schrieb ihm sein Spindoctor Rainer Nick, Politikwissenschafter aus Deutschland, 1991 das Drehbuch auf den Leib, dessen Text er - in mancherlei Variation – elf elendslange Jahre lang immer gleich zum Besten geben sollte, auch wenn es nicht zum Besten des Landes und der Landesbank war.


Das Weltbild des Hypo-Strategen Wendelin Weingartner

„Unter dem Stichwort ‚Tirol im Europa der Regionen‘ könnte eine große thematische Offensive gestartet werden.“
Rainer Nick: „Strategische Neuausrichtung der Tiroler VP“, März 1991



Weingartners Anti-Wien-Reflex

„Das Ausmaß der Opfer des reichen Westens für den Osten wird langsam unerträglich. Wien soll nicht neidisch nach Westen blicken, sondern akzeptieren, dass wir eben fleißiger sind.“
Profil, 21.3.1994

„Tirol darf von niemandem abhängig sein, auch nicht von Wien.“
Kurier, 23.9.1994

„In Tirol sind tüchtige Leute, was man im Osten gar nicht gerne hört.“
Kronenzeitung, 8.12.1994

„Wir im Westen können nicht zulassen, dass sich der Osten entfaltet, und Tirol zu einem Wurmfortsatz des donaueuropäischen Raumes wird.
Bezirksblätter, 29.1.1997


Weingartners Tirol-Tümelei

„Der Intelligenzquotient ist bei uns doch höher.“
Tiroler Landeszeitung, 1/1990 (März)

„In seiner Geschichte war Tirol ja stets eine bedeutsame Region, das sollte wieder so werden.“
Kurier, 15.9.1991

„Tirol ist doch ein anderes Land als die acht übrigen Länder.“
Kurier, 25.7.1994

„Wir Tiroler sind nichts Besseres, aber etwas Besonderes sind wir schon.“
Festrede bei der SVP-Landesversammlung am 23.11.1996 in Meran


Weingartners Größenwahn Großtirol

„Für die Tiroler Landespolitik ist nach wie vor die Wiederherstellung von Großtirol vorrangiges Ziel.“
Kurier, 15.9.1991

„Seit dem Ende des 1. Weltkrieges verfolgt Tirol eine West-Ost-Orientierung, jetzt ist es aber an der Zeit, den Kompass anders zu stellen.““
Kurier, 23.3.1995

„Das Zurückführen in die alte Größe im Rahmen einer Europaregion Tirol ist das erklärte Ziel Tiroler Politik.“
Die Presse (Bundesländerausgabe Tirol), 15.11.1996

„Der Mittelpunkt liegt für Tirol sowohl wirtschaftlich als auch kulturell eher in einer Nord-Südausrichtung, also hin Richtung Südtirol, Trient und Bayern. Um diese Nord-Südausrichtung Tirols hat man sich in Zukunft besonders zu bemühen.“
Neujahrsansprache, 1.1.1999





Wir(re) Tiroler überall, wo Weingartner ist: bei der Hypo und bei der ÖVP


Der politische Voranschlag und die Umsetzung

„Eine Bank Tirol ist eines der vielen Projekte, die man ins Auge fassen muss, wenn man die Europaregion will.“
Wendelin Weingartner (Kurier, 15.9.1994)


Weingartner, von 1984 bis 1989 selbst Hypo-Vorstandsdirektor, dann ressortzuständiger Landesrat und ab 1993 Landeshauptmann und oberster Eigentümervertreter der Hypo, hat die Landesbank immer als Mittel zum Zweck seiner Politik betrachtet. Seiner Halluzination Großtirol nachjagend, besser: der Halluzi-Nation Großtirol, besetzte er den Vorstand der Bank 1998 nach diesem Kalkül mit dem Nordtiroler Walter Mair, dem Osttiroler Siegfried Rainer-Theurl und – als Vorsitzendem - dem Südtiroler Josef Prader.

In dieser Zeit versuchte er auch mit allen Mitteln, auch unerlaubten und undemokratischen, die Hypo Tirol hinterrücks mit der mehr als doppelt so großen Südtiroler Sparkasse zu fusionieren. Diese Finte scheiterte bombastisch, aber parallel dazu hatte Weingartner die Hypo selbst auf aggressiven Expansionskurs gebracht. In Josef Prader hatte er ein ideales ausführendes Organ für seine Eroberungsphantasien gefunden.


„Da geh ich mit“



Unter „Dr.“ Prader entwickelt die Hypo dementsprechend die Strategie einer neuen Nord-Süd-Ausrichtung, „Hypo Nova“ genannt, welche die wahnwitzige Ausweitung der Geschäftstätigkeit bis Hamburg im Norden und Sizilien im Süden vorsieht.



Aus: „Hypo nova“, Strategiehandbuch (1999)

Was hat eine Tiroler Landeshypothekenanstalt in Sizilien verloren? Genau so viel, so wenig, wie eine Landes-Hypothekenanstalt Kärnten in Kroatien. Und muss eine landeseigene Hypo Tirol, ein den Landesbürgerinnen und Landesbürgern gehörendes Bankinstitut Standorte in Steueroasen anbieten?

Das Ergebnis ist bekannt.
Die Verluste der Hypo aus dem Abenteuer „Nord-Süd-Ausrichtung“ betragen bis dato 339,6 Millionen Euro.


23.2.2015


PS. Das Strategiepapier für die Neuausrichtung der Tiroler Volkspartei nach Wendelin Weingartners Vorstellungen haben 1991 der Soziologe Richard Hammer und der Finanzwissenschafter Christian Smekal maßgebend mitformuliert. Beide, Hammer und Smekal, waren 1999 auch federführend an der Erstellung von Weingartners „Hypo nova“-Konzept beteiligt. Smekal wurde dafür sogar mit einem Sitz im Aufsichtsrat der Hypo bedacht.


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