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Hypo Tirol Bank: Mit Vollgas an die Wand

Entgegen den von Günther Platter in Umlauf gesetzten unwahren Behauptungen, er habe als Hypo-Eigentümervertreter nach seinem Amtsantritt (das wäre: im Juli 2008) ihre bisherige Strategie geändert und einen Rückzug aus den Italiengeschäften angeordnet, ist er noch im Oktober 2009 (!) höchstpersönlich voll aufs Gaspedal getreten.



tirol.orf.at, 6.12.2011


Obwohl sich bei der Hypo Tirol Bank 2009 in Deutschland und in Italien bereits furchterregende Abgründe auftun und sie bereits voll auf Schleuderkurs ist, gibt Günther Platter als Eigentümervertreter noch einmal Vollgas. Und als Landeshauptmann.

Kann man das beweisen? Ja, kann man. Schwarz auf weiß.

„Als Landeshauptmann und ressortzuständiges Regierungsmitglied bin ich für die Entwicklung Tirols, aber auch für die Entwicklung der Hypo Tirol Bank verantwortlich. Dieser Verantwortung komme ich nach. Aber ich möchte schon sagen, dass ich mit dem Unternehmen sehr zufrieden bin. Die Hypo ist aufgrund ihrer guten Liquidität sogar in der Lage, mehr Geld zur Verfügung zu stellen.“
Günther Platter am 6. März 2009 (Interview für den Hypo-Geschäftsbericht)



Im Oktober 2009 legt die Hypo Tirol Bank Partizipationsscheine (Anteilscheine ohne Stimmrecht) im Ausmaß von 100 Millionen Euro zur Zeichnung auf. Ist dabei die Rede vom Zurückfahren des Geschäfts oder auch nur vom Einfrieren auf dem bestehenden Niveau? Nein, ganz im Gegenteil. Dort wird eine massive Ausweitung der Kreditvergaben (in der Banker-Sprache: „Forderungen an Kunden“) bis 2012 angekündigt. Laut der im Begleitprospekt zitierten Businessplanung um eine Milliarde Euro oder plus 15 Prozent. Und das waren bei Gott keine Boom-Jahre mehr, auf die sich die Hypo-Unverantwortlichen jetzt gerne ausreden, die Banken- und Finanzkrise hatte auch unser Land bereits voll erwischt.




Eine Milliarde Euro an zusätzlichen Krediten („Forderungen an Kunden“) ist innerhalb von drei Jahren nie und nimmer auf dem gesättigten Marktplatz Tirol unterzubringen, auch nicht auf dem österreichischen. Dafür muss man schon waghalsige Auslandsgeschäfte anstreben.

Seine Bestätigung findet dieser klare Offensivplan in dem 2009 erstellten Strategiepapier „aGOra Hypo Strategieschärfung“, das eine Expansion der Geschäfte in Italien (Lombardei, Veneto) um mehr als 20 Prozent vorsieht. Um diese Expansion voranzutreiben wurde ja auch am 1. Juli 2009, genau ein Jahr nach Günther Platters Amtsantritt als Landeshauptmann und Hypo-Eigentümervertreter, die Hypo Tirol Bank Italia S.p.A. gegründet.




In der Wirklichkeit sind dann in der Zeit von 2008 bis 2012 die Einzelwertberichtigungen (Kredit-Ausfälle) in Italien laut Rechnungshofbericht um 995,3 % (neunhundertfünfundneunzigkommadrei Prozent) gestiegen.

Was nützt uns – uns Eigentümern der Hypo Tirol – ein Eigentümervertreter, der die Eigentümer nicht vertritt? Er schadet. Es geht um eine Schädigung von insgesamt über 300 000 000 Euro.


Günther Platter war nicht Brandlöscher, sondern Brandbeschleuniger

„Als Landeshauptmann und Eigentümervertreter bin ich natürlich für alle Letztentscheidungen und die große Linie der Landesbank verantwortlich.“
Günther Platter am 6. März 2009 (Interview für den Hypo-Geschäftsbericht)


Hat Günther Platter das alles nicht mitbekommen? Könnte sein, bei der fahrlässigen Wahrnehmung seiner Verantwortung als Eigentümervertreter.
Aber er hat! Das Land Tirol hat nämlich für das einzusammelnde Partizipationskapital der Anleger die Ausfallshaftung in voller Höhe übernommen. Dazu gibt es einen einstimmigen Beschluss der Landesregierung unter Landeshauptmann Günther Platter.







Landeshaftung für das frische Hypo-Kapital heißt: Der Landeshauptmann kannte die Expansionsgelüste der Landesbank und hat den Expansionsgelüsten der Landesbank zugestimmt.
Auf der anderen Seite war das für die vermögenden Zeichner der Partizipationsscheine mit voller Landeshaftung eine deppensichere Anlage, wird doch normalerweise Partizipationskapital im Konkursfall der ausgebenden Bank erst nach Befriedigung sämtlicher anderer Gläubiger zurückbezahlt. Prospekt Partizipationskapital (Herbst 2009)

Das Geschäftsjahr 2011, Günther Platter war bereits seit dreieinhalb Jahren Landeshauptmann und Eigentümervertreter, war dann das Jahr mit den größten Hypo-Verlusten ever.

Für seine unheilvolle Hypo-Strategie hatte Günther Platter einen kongenialen Berater, den Innsbrucker Wirtschaftsprüfer Wilfried Stauder, der mit seinem Einzug in den Tiroler Landtag auch gleich zum ÖVP-Wirtschaftssprecher aufgestiegen war. In den Hypo-Aufsichtsrat schickt ihn seine Partei, um dort den Aufsichtsratspräsidenten Helmut Mader zu kontrollieren und möglichst bald abzulösen.




Selbstbildnis des Aufsichtsratspräsidenten als großer Strippenzieher (Hypo-Geschäftsbericht 2010)

Im Aufsichtsrat der Hypo ist Stauder vom ersten Tag an in der höchst verantwortungsvollen Funktion des Obmanns des Prüfungsausschusses tätig. Oder auch nicht. Jedenfalls ist nicht bekannt, dass er, der ja Ende 2011 „kriminelle Machenschaften“ in den Jahren 2003 bis 2008 aufgedeckt haben will, 2008, 2009, 2010 irgendetwas aufgedeckt hätte. Im Gegenteil. So sagte er, nachdem er sich im April 2010 endlich an die Spitze des Aufsichtsrates durchgeboxt hatte, etwa bei der Eröffnung des neuen Hauptsitzes der Hypo Tirol Bank Italia SpA im teuren Bozener City Tower im November 2010:

„Wir sind zufrieden und überzeugt von dieser Investition, die eine klare Botschaft des Vertrauens in unsere italienische Tochter darstellt und unsere Präsenz und das Engagement im Kernmarkt unterstreicht.“
Wilfried Stauder, www.stol.it, 18.11.2010


oder noch im April 2011 (!):

„Heute ist das Unternehmen solide aufgestellt.“ (Wirtschaftsblatt, 27.4.2011)


um dann im Dezember 2011 230 Millionen Euro Zuschuss vom Land zu fordern.




Crash statt Cash: Platters Wahlkampfwerbung aus dem Jahr 2013, leicht verändert

Platter lügt also, wenn er sagt, er hätte STOP gesagt. STOP war erst, als alle Vorwärtsgänge blockierten, weil die Hypo an die Wand gefahren war.


Die Täter sind nach wie vor auf freiem Fuß. Es geht um eine Schadenssumme von über 300 Millionen Euro. Volksvermögen. Sachdienliche Hinweise, die zu ihrer Ausforschung beitragen können, sind weiterhin dringend erbeten.

26.1.2015


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