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Die ÖVP dreht durch – am Beispiel der Klage gegen dietiwag.org

Nach gefühlsmäßig hundert aufgedeckten ÖVP-Sauereien auf dieser Seite allein in den vergangenen fünf Jahren (TIWAG-Parteienfinanzierungskandal, Lebenshilfeskandal, Switakskandal, Moser-Holding-Skandal, Schultzskandal, TIWAG-Platter-Förderungsskandal, Inseratenskandal, Partlskandal, Jagdeinladungenskandal usw.) schmeißt die ÖVP die Nerven weg und schlägt ihr Obmann wie ein Ertrinkender um sich.

Sie klagt mich.

Nicht die TT, die ihr wieder eine Landtagsperiode lang treu gedient hat, nicht den ORF, der ihr in fünf Jahren kein einziges Mal nahegetreten ist, nein, dietiwag.org. Das ist schon richtig so. Die Frage ist nur, ob das nicht eine mutwillige Selbstverstümmelung Platters im Bereich seines Kniegelenks durch Einwirkung der eigenen Schusswaffe ist.

Worum geht’s?
Da die ÖVP ihren panisch einberufenen außerordentlichen Parteitag Anfang dieses Monats ausgerechnet in einer Halle abhalten musste, in der auch Fascho-Musikgruppen auftreten, habe ich geschrieben, dass die ÖVP ihren Parteitag an einem Ort abhält, an dem auch Fascho-Musikgruppen auftreten. Punkt.

Nicht ich habe Platter & Co. mit der Naziszene in Verbindung gebracht. Platter & Co. selbst haben sich mit der Naziszene in Verbindung gebracht.


Die gefährdete Partei

Die ÖVP tritt in ihrer Klage gegen mich als „gefährdete Partei“ auf. Wie wahr Juristendeutsch sein kann, habe ich bis dahin auch nicht geahnt. Das nächste ist dann wohl, dass sie auf Artenschutz plädiert.

Es darf sich in einem Rechtsstaat wie Österreich jeder blamieren soviel er will. Das ist zudem durch die Europäische Menschenrechtscharta garantiert. Dieses Recht darf auch der Landesgeschäftsführer der ÖVP in Anspruch nehmen. Und er hat dies in einer „eidesstättigen Erklärung“ an das Gericht auch weidlich genutzt.



„Unwiederbringlicher Imageschaden“? Was soll denn das sein? Ist der Imageschaden unwiederbringlich oder das Image?

Wenn die ÖVP saftig verliert, bin also ich schuld.
Aber gernstens.

Richtig ist, dass ich der Tiroler Volkspartei in den vergangenen Jahren massiv geschadet habe. Nein, falsch. Ich habe nur laufend beschrieben, wie sie sich selbst schadet.

Malaun erklärt oben, er sei in den drei Tagen nach Erscheinen meiner Geschichte „von vielen Personen aufgrund des gegenständlichen Artikels angerufen“ worden. Und ich hatte bisher der ÖVP-internen Sprachregelung geglaubt, wonach „eh niemand auf dietiwag.org schaut“.

Ja, und die vielen Leser dieser Homepage hätten, behauptet er „an Eides statt“ (!), „aufgrund des angebrachten Hakenkreuzes“ sowohl ihn als auch die Tiroler Volkspartei mit „nazionalsozialistischem Gedankengut assoziiert“.

Heißt, an dieser Bebilderung hätte er nichts auszusetzen gehabt?



Das Kruckenkreuz würde wirklich besser zur ÖVP passen, die ja immer noch ihrem austrofaschistischen Heldenkanzler huldigt, aber halt weniger gut zum beschriebenen Auftritt Platters in der Area 47.


Der ÖVP-Parteitag fand schon am rechten Ort statt

Ausgangspunkt meiner Recherchen war die Ankündigung eines Konzerts der berüchtigten Deutschrockband „Frei.Wild“ für den 8. September 2012. Mehr als zweieinhalb Monate vorher habe ich die Veranstalter über den Mitsponsor des „Frei.Wild“-Auftritts (Raiffeisen Jugendclub) darauf aufmerksam gemacht, dass „ihr da ein konzert einer ‚rechten rockband‘ mitveranstaltet am 8.9. in der area. (…) ich denke, ihr solltet da aussteigen.“ Zurückbekommen habe ich ein Beschwichtigungsmail, wonach das alles ganz harmlos und die Gruppe „in erster Linie - so wie viele andere auch - gegen politische Machtmissbräuche und Ungerechtigkeiten“ auftrete.

Damals war noch keine Rede von einem Sonderparteitag der ÖVP in der Area. Also habe nicht ich die Partei in diese Sache hineingezogen, sondern hat sie sich selbst sozusagen in meine Geschichte hineinreklamiert.

Diese Klage ist eine gute Sache, weil die ÖVP da in den Nazidreck, über den sie entsetzt die Nase rümpft, ganz tief mit eben dieser hineingedrückt werden kann. Auch wenn es erstunken und erlogen ist, dass viele Anrufer den Herrn Malaun und die Volkspartei „mit nazionalsozialistischem Gedankengut assoziiert“ haben, so hätten sie damit doch leider recht gehabt.


Die Tiroler Volkspartei subventioniert Nazi-Kultur mit Steuermitteln

Die ÖVP-Landesregierung mit ÖVP-Landeshauptmann Platter an der Spitze und ÖVP-Landesrätin Beate Palfrader an seiner Seite haben in den letzten Jahren Aufführungen und Studio-Einspielungen der Hardcore- Nazikomponisten Karl Senn, Emil Berlanda, Artur Kanetscheider und Josef Eduard Ploner (insgesamt 14 CDs) mit Unsummen gefördert.

„Die blutleeren und naturwidrigen Formeln der demokratisch-liberalistischen Zeit stammen alle von Juden oder Judenknechten.“ … „Es muss auch auf kulturellen Gebieten zuerst vollständig ausgemistet werden. Die A.K.M. steht nun nach der ersten Radikalsäuberung ebenfalls judenrein da.“

Josef Eduard Ploner (1938)






Gar nicht reden wollen wir von den sogenannten Tiroler Traditionsverbänden, an die Millionen von Euros an Landessubventionen geflossen sind in den Platter-Jahren und die allesamt ihre Mitläuferschaft Mittäterschaft in der Nazi-Zeit nicht aufgearbeitet haben. So ist Günther Platter, der mich jetzt klagt, weil ich die ÖVP mit nazistischer Musik in Verbindung gebracht habe, Präsident jenes Tiroler Blasmusikverbandes, dessen Säulenheiliger nach wie vor der seinerzeitige Gaumusikleiter Sepp Tanzer ist, der heute noch von den 303 Musikkapellen im Land hinauf und herunter gespielt wird ohne Ende.



Die ÖVP hat einfach kein Glück in Prozessen gegen mich. Als sie die TIWAG benutzt hat, mir eine 500.000 Euro-Klage anzuhängen, ist sie genauso untergegangen in allen Instanzen wie letzten Endes beim Schweinsager-Prozess, zu dem sie die Innsbrucker Staatsanwaltschaft instrumentalisiert hatte. Und auch Günther Platter war das Jagdglück nicht hold, als er seinen Jagdherrn und Gönner stellvertretend gegen mich antreten hatte lassen (hier).

Also wollen wir, wo sonst immer nur Schlechtes über Platter und Malaun gesagt wird, hier den Heldenmut der ÖVP rühmen, es trotz all der Niederschläge doch noch einmal gegen mich zu versuchen (hier).


Ausgerechnet Holzmann

Ausgerechnet jener Rechtsanwalt Hermann Holzmann, der zuletzt August Penz und das Strache-Plakat mit den „Marokkaner-Dieben“ verteidigt hat, vertritt nun die „gefährdete Partei“ ÖVP und die Area 47.
In Wahrheit muss er freilich „Frei.Wild“ und „Stainless Steel“ verteidigen. Denn wenn es ihm nicht gelingt, diese Radaugruppen, die in der Area 47 aufgetreten sind, als harmlos und sauber herauszuboxen, pickt die inkriminierte Area-Grafik.



Hermann Holzmann hat schon einmal gegen mich verloren – mit Bomben und auch mit Granaten, als er ebenfalls einen ÖVP-Politiker heraushauen wollte. Sein Mandant Dietmar Bachmann, ÖVP-Landtagsabgeordneter (1964 – 1994) und Geschäftsführer der Industriellenvereinigung, ist damals bedingt zu 180.000 Schilling verdonnert worden.



Hermann Holzmann hat übrigens auch den besoffen autofahrenden Landwirtschaftskammerpräsidenten (hier aufgedeckt) und den besoffen autofahrenden Krone-Chefredakteur (hier aufgedeckt) vertreten.

* * *

Das „Frei.Wild“-Dossier der dietiwag.org für den ÖVP-Prozess

Auch wenn es keine Druckerschwärze kostet und kein Papier, so ist doch jedes Wort schade, das in Sachen dieses schlechten, rassistischen, nationalistischen, gewaltverherrlichenden Primitiv-Rocks der Bande „Frei.Wild“ noch geschrieben wird. Aber es muss sein. Die ÖVP schreit danach.
Sie möchte unbedingt wissen und möchte, dass es alle wissen, wer da wenige Monate vor ihr auf der Bühne der Area 47 gestanden ist.



Area 47 am 8. September 2012 (links) und am 6. April 2013 (rechts)

Ein klarer Fall von Selbstbeschädigung, sofern man glaubt, dass dies bei Malaun und Platter überhaupt noch möglich ist.


Die Dokumente (1. Tranche)

Die Band „Frei.Wild“ arbeitet mit Anspielungen, wie sie in der klassischen Nazi-Szene auch verwendet werden, antisemitischer Natur, geschichtsrevisionistischer Natur. Und jetzt muss man fragen: Was macht Neonazi-Musik aus? Ganz wesentlich ist der Nationalismus, ganz wesentlich ist der Hass gegen Andersdenkende. „Frei.Wild“ hat das beides im Programm.

Thomas Kuban, deutscher Sachbuchautor und Rechtsrock-Forscher


Dokument 1



Im Video-Clip zur „Frei.Wild“-Nummer „Halt deine Schnauze“ tritt ein Skinhead mehrmals auf einen auf dem Boden liegenden Jugendlichen ein – zur Textzeile „Und plötzlich ist sie reif die Zeit / Dann gibt's Revanche, dann gibts auf's Maul“. Das Video wurde 2008 in Brixen, dem Herkunftsort der Band aufgenommen.


Dokument 2



Schweriner Volkszeitung, 14.4.2013


Dokument 3



Fans beim „Frei.Wild“-Konzert in der Brixner Eishalle, April 2006


„Wenn man die Quersumme bildet aus den zahlreichen politischen Statements, die von „Frei.Wild“ kommen, dann bleibt übrig: das ist eine nationalistische, eine rechtsgerichtete Band.“

Christoph Schulze, Politikwissenschafter (Berlin)


Dokument 4



Aurich (Niedersachsen) im April 2013: Neonazis provozieren am Rande einer Antifa-Demonstration, die sich gegen einen „Frei.Wild“-Auftritt in ihrer Stadt richtet. „Leckt mich am Arsch“ war das Motto der „Frei.Wild“-Tour 2011 (hier).


Dokument 5



Sächsische Zeitung, 1.1.2012


Dokument 6



Neonazi-TV im Internet - Sendung vom 14.10.2012


„Das Menschen- und Weltbild von „Frei.Wild“ ist ein völkisch-biologistisches und pessimistisches. Das Problem bei „Frei.Wild“, das ich sehe ist, dass sie objektiv, nicht subjektiv, also ich unterstelle ihnen hier kein Wollen, dass die objektiv als Einstiegsdroge in den Rechtsextremismus wirken, dass sie objektiv als Eisbrecher für Neonazibands agieren.“


Andreas Peham, Rechtsextremismusforscher im Dokumentationsarchiv des österr. Widerstandes (Wien)


Dokument 7




Dokument 8




Dokument 9



Im „Frei.Wild“-Clip „Halt deine Schnauze“ ist auch der Schlagzeuger der „Frei.Wild“-Vorgängerband „Kaiserjäger“, Joggl Bergmeister, zu sehen. „100 %“ ist der Neonazi-Code für „rein arische Abstammung“


„Am 6. Oktober vergangenen Jahres (2012) war ich in Südtirol bei einer CD-Präsentation von Frei.Wild. Auf dem Weg zum Zelt bin ich einer Gruppe Fans begegnet, die gerade das Lied „Ran an den Feind“ der Neonazi-Kultband Landser sangen. Im Refrain fordert die Band ein Bombardement Israels. Und wenn der Frei.Wild-Sänger Philipp Burger bei Konzerten sein Publikum auffordert, die Hände nach oben zu recken, sagt er schon mal sicherheitshalber dazu, dass es nicht nur die rechten sein sollten. Auch in Deutschland wird die Band Frei.Wild für ihre nationalistischen Statements bejubelt. Die jungen Leute lernen die Lieder auswendig und grölen sie mit. Damit verfestigen sich die nationalistischen Botschaften im Kopf.“


Thomas Kuban, deutscher Sachbuchautor und Rechtsrock-Forscher


Dokument 10



Auf dem Cover der CD „Raff dich auf“ der Neonaziband „Kaiserjäger“ prangt das Keltenkreuz. In der Neonazi-Szene gilt es als Symbol für die Überlegenheit der weißen Rasse.


Dokument 11



Innenteil des „Kaiserjäger“-Booklets von 2001: Philipp Burger, heute Bandleader und Sänger von „Frei.Wild“ links unten mit Hitlergruß, Joggl Bergmeister, damals Schlagzeuger der „Kaiserjäger“ und heute Bandleader der „Frei.Wild“-Schwesterband „Unantastbar“ rechts unten mit „Kühnengruß“.
Übrige Mitglieder wurden unkenntlich gemacht.

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Dokument 12



Ausgerechnet auf dem Parteitagsgelände der NSDAP in Nürnberg fand kürzlich ein Konzert der Grauzonen-Band „ZeitGeist“ statt, die ausschließlich Songs von den „Böhsen Onkelz“ und „Frei.Wild“ spielt.


Dokument 13



Der Sänger der neonazistischen Innsbrucker Band „Adrenalin Tirol“ tritt mit „Frei.Wild“-T-Shirt auf.


(…) die wandern bald bei uns ein, dann werden wir hier die Ausländer sein, dann denkt ihr zurück wovor wir euch heute warnen (…) Ich hasse diese ganze scheiß Gesellschaft, diese Neger und Yugos, werden sesshaft, doch den größten Teil der Schuld trägt numal ihr, weshalb hab‘n wir auch dieses Gesindel hier! Und raus!

Passage aus „Selber schuld“ von „Kaiserjäger“, der Vorläuferband von „Frei.Wild“


Dokument 14



Die ebenfalls extrem rechte deutsche Band „Stainless Steel“ trat am 22. September 2012, vierzehn Tage nach „Frei.Wild“, in der Area 47 auf.



Den Schatten von Neonazismus und Rechtsextremismus, der auf die Area 47 fällt, hat sie selbst zu verantworten.


Die Dokumentation wird fortgesetzt. Hier das laufend erweiterte Dossier.


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24.4.2013


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