spacer
home


die andere seite der   home

akut | tagebuch | forum | archiv | kontakt
 


RSS Feed | auf facebook abonnieren news auf facebook folgen
 
 

Die AKW-Beteiligung wird zum finanziellen Super-GAU für die TIWAG

Wenn man der TIWAG glauben würde – freilich, wer tut das noch außer Günther Platter? -, dann wäre sie im Juni 2011 aus allen Atomgeschichten ausgestiegen. Die weniger schöne Wahrheit lautet: Sie kann gar nicht. Durch den Abschluss des Sellrain-Silz-Atomstromtauschvertrages mit den Bayernwerken (heute: EON) Ende der 70er Jahre steckt die TIWAG bis zum Ende der Strahlungsdauer der heutigen Brennstäbe (in mehr als 1 Million Jahren) unentrinnbar und unrettbar in der Atom-Scheiße drinnen. Mit rasant wachsenden Kosten.

Was ich im Dezember 2005 hier in der Einleitung einer Serie über „Die Atomstrom-Gaunereien der TIWAG“ schrieb, führt uns an die Sache heran.



Aus der Artikel-Folge über die Atomstrom-Gaunereien der TIWAG (2005/2006)


I
Die TIWAG zahlt dzt. jährlich ca. 100 Millionen Schilling in den laufenden Betrieb des deutschen Atomkraftwerks Grafenrheinfeld


Leser dieser Seite wissen es längst. Solche der TT werden es, wenn alles gut geht, nie erfahren.
Beim Bau der Kraftwerksgruppe Sellrain-Silz wurde in den Tauschverträgen mit der Bayernwerke AG (heute EON) vereinbart, dass die TIWAG für die durchgängig zu erhaltende Abtauschleistung von 120 MW Atomstrom (das ergibt ca. 950 GWh jährlich) für die Brennstoffbeschaffung und Brennstoffentsorgung aufzukommen hat. Als Referenzkraftwerk der Bayern wurde das AKW Grafenrheinfeld in Unterfranken herangezogen, an welchem die TIWAG damit einen ständigen Betriebskostenanteil von ca. neun Prozent zu leisten hat. Auch das wurde hier bereits beschrieben und belegt:



Fünf Millionen Euro Brennstoffkosten im Jahr 2005: Nach anderen Quellen ist der Betrag etwas höher, zumindest dürfte er heute bei sieben bis acht Millionen Euro jährlich liegen. Eine aktuelle Summe für 2010 liegt mir noch nicht vor.

Im Vorjahr hat die deutsche Bundesregierung noch die Laufzeiten der Atomkraftwerke verlängert und den Betreibern dafür eine Kernbrennstoffsteuer (umgangssprachlich Brennelementesteuer) auferlegt. Diese soll trotz des nun wieder beschlossenen Ausstiegs aus der Atomstromproduktion bleiben und damit erstmals ausgerechnet beim „TIWAG-Kernkraftwerk“ Grafenrheinfeld fällig werden. Die Steuer könnte allein für dieses AKW bis zu 100 Millionen Euro betragen. Auch hievon würden vermutlich neun Prozent auf die TIWAG abgewälzt werden.


II
86,2 Millionen Euro zusätzlich als Verbindlichkeiten aus der AKW-Beteiligung


Die laufenden Kosten sind noch längst nicht alles. Das dicke Ende kommt erst. EON setzt die TIWAG jährlich darüber in Kenntnis, wie hoch einmal der ihr zurechenbare Anteil an endgültigen Entsorgungskosten für das Kernkraftwerk Grafenrheinfeld sein wird. Dieser Betrag ist in den vergangenen Jahren regelrecht explodiert. Hatte die TIWAG 2004 noch mit 30,85 Millionen Euro zu rechnen, so waren es 2007 bereits 59,92 Millionen. Heute sind es gar 86,23 Millionen Euro.
Gut, aber doch zu wenig gut versteckt im Jahresabschluss 2010:



TIWAG-Geschäftsbericht 2010, Seite 92 (hier abrufbar)

Hat die TIWAG für diese zu zahlenden 86 Millionen entsprechend vorgesorgt?
Nein. Keinen Cent. (Sie hat ja ihre Gewinne in zig Millionen für Werbung und Beratung und in politisch motivierte Dividenden an die Landesregierung stecken müssen.)
Noch einmal, wenn diese Verbindlichkeiten schlagend werden, kann die TIWAG auf keine Rücklagen zurückgreifen. Die Summe ist in der Bilanz nur angemerkt, real aber nirgendwo vorhanden, auch nicht in Ansätzen. Eine vernünftige Geschäftsführung, die nicht nur an die eigenen Boni denkt und an das Versorgen der Landespolitik mit Ausschüttungen, hätte längst für den Tag der Fälligkeit – der so fern nicht mehr ist – angespart. Ein Aufsichtsrat, der diesen Namen und die Sitzungsgelder verdienen würde und seine Verantwortung wahrnehmen würde, hätte seinen Vorstand längst dazu anhalten müssen, entsprechende Vorsorge zu treffen.

Ob die 86 Millionen Euro auch nur ansatzweise reichen werden? Heute weiß noch niemand, wie eine wirkliche Entsorgung technisch ausschauen und noch weniger, wie sie finanziell zu bewältigen sein könnte.
Einen großen Teil der genannten Summe wird die TIWAG schon in den nächsten Jahren aufgrund der jetzt endgültig mit 2015 terminisierten Abschaltung von Grafenrheinfeld zu bezahlen haben. Was die heute unabschätzbaren Kosten für die Endlagerung anlangt, wird die TIWAG bis zum St. Nimmerleinstag, man spricht von einem Gefährdungszeitraum durch die Radionuklide von mehr als einer Million Jahren, bluten müssen. Mitgefangen, mitgehangen. Die EON wird die TIWAG niemals aus dieser Zahlungsverpflichtung entlassen.



Das AKW Grafenrheinfeld besteht aus einem Druckwasserreaktor mit zwei Kühltürmen und einem Zwischenlager für abgebrannte Kernbrennelemente


III
Abwrackkosten


Seit dem beschlossenen Ausstieg aus der Atomkraft werden in Deutschland jetzt auch immer konkretere Berechnungen für die Stilllegung angestellt. Derzeit geht man von Abwrackkosten pro Anlage von ca. 750 Millionen Euro aus. Wie weit diese beim AKW Grafenrheinfeld anteilsmäßig der TIWAG unter dem Titel Stromgestehungskosten angelastet werden können, darüber wird bei EON schon nachgedacht.

Die so günstige Atomkraft und die ach so clevere Quasi-Beteiligung der TIWAG am AKW Grafenrheinfeld kommt uns also teuer zu stehen. In Summe werden wir für ein paar Jahre „billigen Bandstrom, den wir den Bayern herausverhandelt haben“ (so die TIWAG-Propaganda seit 1981), ihnen fast so viel nachschießen müssen wie die Errichtung des seit 1981 für sie arbeitenden Hälfteanteiles der Kraftwerksgruppe Sellrain-Silz seinerzeit gekostet hat. Wenn’s gutgeht.


8.8.2011

Siehe auch: „Tirol ab sofort Atomstrom-frei“ - Gerüchterstattung by TT, ORF, Krone



Diese Internetseite wird mit Sonnenkraft betrieben.


          DRUCKEN       WEITERSAGEN       KOMMENTIEREN
     

 

Alle Akut-Artikel

startseite | inhaltsverzeichnis | impressum