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Bericht aus einem fernen Land

Wer glaubt, dass gesellschaftliche Auseinandersetzungen über Argumente ausgetragen würden und sich diesen Glauben bewahren möchte, soll bitte gar nicht erst weiter lesen. Nein, auf Argumente der Bevölkerung oder kritischer Experten sind Landespolitik und Landesenergiegesellschaft nie eingegangen. Das ist nicht die Ebene, auf der sie sich wohlfühlen und wo sie sich zutrauen, ihre Interessen und die ihrer Hintermänner durchzusetzen.
Im folgenden soll umrisshaft gezeigt werden, wozu diese Macht fähig ist, wenn sich die Bevölkerung ihr in den Weg stellt. Es geht um Tirol, nicht um, was weiß ich, Usbekistan oder so, bitte sich das zwischendurch immer wieder zu vergegenwärtigen.

  • Ausbaubetreiber diffamieren Gegner als "Fundamentalisten" und "Linkschaoten", deren oberster, der Landeshauptmann, bezeichnet die widerständigen Bewohner in einem Projektgebiet als "undankbares Gesindel".
  • Ausbaubetreiber inszenieren eine Gegen-Bürgerinitiative "pro Kraftwerksbau" aus Schülern und sammeln dafür Unterschriften bei Minderjährigen.
  • Der TIWAG-Eigentümer-Vertreter (Landeshauptmann) interveniert gegen Berichterstattung über die Kraftwerksproblematik bei der ORF-Generaldirektion in Wien.
  • Die Ausbaubetreiber arbeiten mit verfälschten Statistiken, geschönten Fotomontagen und schwer manipulativen Umfragen ("push polling").
  • Die Ausbaubetreiber bringen in Zeitungen bezahlte und nicht als PR kenntlich gemachte Artikel im redaktionellen Layout unter.
  • Die Ausbaubetreiber drohen dem ORF mit dem Entzug von Sponsorgeldern (Kooperationen) in der Höhe mehrerer hunderttausend Euro, wegen einer zu wenig TIWAG-freundlichen Berichterstattung (und erreichen damit in der Tat die Nicht-Ausstrahlung von drei vorbereiteten TV-Beiträgen zum Thema neue Kraftwerke).
  • Abgeschundene Bäuerinnen, die sich gegen ein Kraftwerksprojekt in ihrer Gemeinde wehren, müssen sich öffentlich vom Landeshauptmann (Eigentümervertreter der TIWAG) vorhalten lassen: "Tirol ist durch arbeitende Hände aufgebaut worden und nicht durch solche, die Transparente halten".
  • Die Ausbaubetreiber kaufen sich aus Stromgeldern und Steuermitteln Gutachten, die in der Folge der Unwissenschaftlichkeit und des Plagiats überführt werden.
  • Die Ausbaubetreiber klagen einen Kritiker auf Unterlassung der Veröffentlichung aus dubiosen TIWAG-Geheimverträgen (existenzvernichtender Streitwert: 500.000 Euro.
  • Die Ausbaubetreiber sperren für die TIWAG-Mitarbeiter den Zugang zu einer TIWAG-kritischen Homepage, wofür sie die Nominierung für den "Big Brother Award" ausfassen.
  • Die Ausbaubetreiber erwirken (vorübergehend) auf illegale Weise die Sperre einer TIWAG-kritischen Website.
  • Die Ausbaubetreiber versuchen (erfolglos) auch die Ausweich-Adresse der TIWAG-kritischen Website zu kappen.
  • Die Ausbaubetreiber reagieren auf die Veröffentlichung unliebsamer Dokumente im Internet mit Kriminalisierung ihrer Gegner ("unrechtmäßig in Besitz gelangt").
  • Die Ausbaubetreiber perlustrieren auf der Suche nach undichten Stellen in der TIWAG reihenweise die Mail-Boxen führender Mitarbeiter und unterziehen mehr als zwanzig von ihnen entwürdigenden Einzelverhören.
  • Ein TIWAG-Abteilungsleiter schlägt allen Ernstes vor, die TIWAG-kritische Webseite mit Computerviren zu bekämpfen.



"WIR SIND TIWAG" - Mitarbeiter der Tiroler Tageszeitung formulieren es körpersprachlich
(TT-Titelseite vom 31.10.2005 - Foto: Unisono)


  • Die Ausbaubetreiber inserieren in allem, was auch nur irgendwie nach Zeitung ausschaut (vom Szene-Blatt bis zum Kirchenblatt) und mißbrauchen die amtlichen Mitteilungsblätter des Landes ("Tiroler Landeszeitung", "Tirol im Visier ...) für Kraftwerkspropaganda.
  • Die Ausbaubetreiber schalten in kurzer Zeit allein in der alles dominierenden Tiroler Tageszeitung Werbe-Anzeigen und Public-Relations-Seiten in der Höhe von mehreren hundert tausend Euro.
  • Die Ausbaubetreiber üben massiven wirtschaftlichen Druck auf regionale Medien aus (wörtlich: "Die Tiwag schaltet
    so und so viel Anzeigen im Jahr, wieviel schalten die Kraftwerksgegner?")
  • Chefredakteure geben den Druck der Ausbaubetreiber an Redakteure weiter (wörtlich: "Ich möchte dich nochmals bitten, nicht all zu kritisch gegen die TIWAG zu schreiben, sie ist ein nicht unbedeutender Anzeigenkunde unseres Unternehmens.")
  • Redakteure leben unter diesem Druck (wörtlich: "... aber ob es die Redaktion abdruckt ? TIWAG ist ja eine gute Kundschaft bei sämtlichen Zeitungen ? weiss ich noch nicht")
  • Chefredakteure untersagen ihren Mitarbeitern die Nennung bestimmter Integrationsfiguren des Kraftwerkswiderstands.
  • Durch Druck auf den ORF Wien untersagt dessen Rechtsabteilung die Veröffentlichung des Transkripts eines eher TIWAG-kritischen ORF-Fernsehbeitrags im Internet.
  • Die PR-Agentur der Projektbetreiber lädt ihr nicht genehme Journalisten nicht mehr zu TIWAG-Pressekonferenzen.
  • Die TIWAG verweigert ihr nicht genehmen Journalisten ohne Anbgabe von Gründen Interviews.
  • Der Landeshauptmann (TIWAG-Eigentümervertreter) lässt seine Sekretärin privat in einem Leserbrief im Kirchenblatt neue Kraftwerke propagieren.
  • Der ehemalige TIWAG-Betriebsratskaiser und nunmehrige ÖVP-Landtagspräsident putzt in öffentlicher Sitzung zehn Petitionen von zehn Kraftwerksbürgerinitiativen an den Landtag weg wie nix und schubladisiert sie.
  • Die Ausbaubetreiber versprechen betroffenen Gemeinden für ihr Wohlverhalten Skilifte, Golfplätze, Ortsumfahrungen, wintersichere Zufahrten, Bewilligungen objektiv nicht bewilligbarer Skiabfahrten etc.
  • Die Ausbaubetreiber verhindern mit allen Schikanen Projekte kleiner und kleinster Laufkraftwerke ihrer Konkurrenten (Genossenschaften und Gemeinden).
  • Die Ausbaubetreiber setzen massiv auf Angst vor Hochwasser und vor Versorgungsengpässen ("Es ist eine Minute vor zwölf!"), wenn keine neuen Speicher gebaut werden.
  • Die Ausbaubetreiber sponsern inoffiziell (wichtig: TIWAG-Logo darf nicht aufscheinen!) gut verpackte Kraftwerkspropaganda der staatlich geförderten Tiroler Erwachsenenbildung mit 40.000 Euro.
  • Der Energiesprecher der ÖVP (Landtagsabgeordneter) lässt sich die Beantwortung der persönlichen Anfrage einer Wählerin zum Thema Kraftwerke versandfertig in der TIWAG erstellen.
  • Die TIWAG erkauft sich mit einer Einschaltungs-Serie in der Tiroler Bauernzeitung die Zustimmung der Bauernbund-Spitze zu den Kraftwerksprojekten.
  • Der Bauernbundobmann ergattert sich durch sein Eintreten für die TIWAG-Projekte ("sechs bis acht Kraftwerke sollten?s schon sein") den lange ersehnten Landesratposten.
  • Eine Werbegesellschaft verweigert die vertraglich vereinbarte Affichierung eines fertig gedruckten TIWAG-kritischen Plakats der Kraftwerksgegner.
  • Der TIWAG-Eigentümervertreter (Landeshauptmann) gibt eine Untersuchung über die TIWAG-Berichterstattung des ORF in Auftrag.
  • Die Ausbaubetreiber treffen sich in den Projektregionen (unter Umgehung des Gemeinderates) mit sogenannten Dorfkaisern (Liftbetreiber, Großhotellieren).
  • Der TIWAG-Aufsichtsratspräsident droht Bauern, die sich gegen die Flutung ihrer Almen stellen, damit, die Öffentlichkeit über die Höhe ihrer landwirtschaftlichen Förderungen zu informieren.
  • Auf Druck der Projektbetreiber wird der amtliche und für die TIWAG eher unangenehme behördliche Prüfbericht zu ihren Kraftwerksoptionen ("Synthesebericht") von der offiziellen Internetseite des Landes genommen.
  • Die Projektbetreiber verzögern seit 2005 mit allen Tricks den Fortgang des von ihnen angestrebten Prozesses gegen einen TIWAG-Kritiker, weil sie nach zwei vorinstanzlichen Niederlagen das endgültige Urteil fürchten.



TT und TIWAG - Wo?s "Clique" macht:
Im Bild eine TIWAG-Presseaussendung als TT-Artikel auf der Internetplattform der Tiroler Tageszeitung "tirol.com ? WO?S CLICK MACHT"


Tirol ist überall.

Wenn man sich der wirtschaftlichen Macht in den Weg stellt, reagiert sie überall ähnlich. Der geografische Breitengrad ist ohne Einfluss, man sollte sich von der jeweiligen lokalen Folklore nicht täuschen lassen.
Wer das herrschende System zu solchen Winkelzügen und Gegenschlägen zwingt, ist längst zum Agierenden geworden. Die breite Widerstandsbewegung hat ? abseits der Medien und Oppositionsparteien (und oftmals noch im Kampf gegen sie) viele dubiose Machenschaften der Ausbaubetreiber öffentlich gemacht: Die beiden größten Kraftwerke der TIWAG werden von deutschen Energiekonzernen betrieben und von Deutschland aus ein- und ausgeschaltet. "Saubere Wasserkraft" ist ein Öko-Märchen, eine urban legend. Das saubere Gebirgswasser wird mit ebenso billigem wie schmutzigem Atomstrom in die Hochspeicher gepumpt, wobei zum Pumpen um ein Drittel mehr dreckiger Strom aufgewendet werden muss, als dann beim Abarbeiten sauberer gewonnen werden kann. Die TIWAG hat aus reiner Gier vierzehn ihrer größten Kraftwerke an zwielichtige amerikanische Finanztrusts (Briefkastenfirmen) verleast, wofür an die 15 Millionen Dollar an Provisionen ("Incentive Fees") in bisher nicht bekannte Taschen geflossen sind. Die TIWAG-Gas-Tochter TIGAS hat jahrelang auf falschen ? physikalischen! - Grundlagen verrechnete, zu hohe Gaspreise eingehoben (Verfahren ist anhängig). Die TIWAG täuscht seit Jahren ihre Kunden vorsätzlich über den wahren Atomstromanteil in der von ihr gelieferten elektrischen Energie (die öffentlich erhobenen Vorwürfe "unlauterer Geschäfte" "offenbar in betrügerischer Weise" durch "bewusste Falschetikettierung ihres Produkts" wurden nicht geklagt) und lässt sich ihre "gefälschten Herkunftsnachweise" von der staatlichen Aufsichtsbehörde E-Control decken.

Die Ausbaubetreiber wurden massiv in die Enge getrieben und zu noch mehr Fehlern gezwungen. Der TIWAG-Vorstandschef erschien nicht zum von der Tiroler Tageszeitung angebotenen Streitgespräch mit einem TIWAG-Kritiker und kniff auch vor einer ORF-Studiodiskussion mit einem Schweizer Energieexperten. Die TIWAG und ihre sündteure PR-Maschinerie (eigene Marketingabteilung plus Werbeagentur plus drei PR-Agenturen) sind heute Negativbeispiele in PR-Einführungslehrgängen. Die vom Kraftwerkswiderstand ausgelösten Turbulenzen haben in letzter Konsequenz zur Ablöse des Tiroler ORF-Direktors und zur Entfernung des dortigen Chefredakteurs geführt. Auch von den TIWAG-Kritikern und nicht von den Medien aufgedeckt wurde die versuchte Anrechnung privater Gasthausbesäufnisse des Aufsichtsratspräsidenten als TIWAG-Spesen sowie dessen Führerscheinentzug aufgrund schwerer Alkoholisierung im Straßenverkehr, die rechten Rülpser des TIWAG-Vorstandsvorsitzenden und vieles andere mehr wie der Betrieb eines illegalen Callgirl-Ringes durch einen TIWAG-Manager oder die finanzielle Verstrickung der TIWAG in die deutsche Atomindustrie.

Die österreichweiten Medien interessieren sich in der Regel nicht für die Provinz und der Staatsanwalt hier ist schon alt und sieht auch nicht mehr so gut. Dass man über die TIWAG öffentlich alle diese Dinge sagen darf, ohne geklagt zu werden, ist nicht eine Stärke, sondern eine eklatante Schwäche dieses Systems, weil damit die Kritik einfach ausgesessen wird. Die Hälfte dessen, was z. B. auf www.dietiwag.org steht, müsste reichen, um diese Kamarilla zum Teufel zu jagen, aber, wie die Dinge stehen, reicht auch das Doppelte nicht.


Gazprom & Iswestija? Nein TIWAG und Tiroler Tageszeitung.
Medien-Sumpf.


  • Der heutige Medien-Berater der TIWAG war vordem Chefredakteur der Tiroler Tageszeitung.
  • Der vormalige Pressereferent der TIWAG war vorher Leiter der TT-Wirtschaftsredaktion.
  • Der Besitzer der PR-Agentur, die die Kraftwerksoffensive der TIWAG betreut, ist der beste Spezl des heutigen TT-Chefredakteurs.
  • Die Lebensgefährtin des Besitzers der PR-Agentur, welche die Medienauftritte der TIWAG betreut, war jahrelang Leserbrief-Redakteurin der Tiroler Tageszeitung und berichtet nun auf der Seitenblicke-Seite über Society-Auftritte der TIWAG-Chefs.
  • Die Nichte des Besitzers dieser PR-Agentur der TIWAG war anschließend Leserbrief-Redakteurin der Tiroler Tageszeitung und ist nun Pressereferentin der TIWAG.
  • Die TT veröffentlicht Presseaussendungen der TIWAG mit fix eingebauten O-Tönen Dritter (mit denen sie selber nie gesprochen hat) als eigenrecherchierte Aufmacher auf der Wirtschaftsseite.
  • Die Tiroler Tageszeitung verweigert die Veröffentlichung TIWAG-kritischer Leserbriefe.
  • Der Chefredakteur der Tiroler Tageszeitung droht einem Leser, der sich in einem privaten Mail (!) an ihn kritisch über die TIWAG-Lastigkeit der Berichterstattung geäußert hat, deswegen mit möglichen rechtlichen Schritten.
  • Die Ex-Frau des TT-Chefredakteurs schreibt TIWAG-PR-Artikel für "Wirtschaft im Alpenraum"
  • Tiroler Tageszeitung und TIWAG sind durch vielfältige und ständig neue Kooperationen im Sponsoring-Bereich verbunden.
  • Der TIWAG-Aufsichtsrats-Präsident ist Konsulent der TT-Mutter Moser-Holding.
Fortsetzung folgt.


Polit-Sumpf

Der TIWAG-Vorstandsvorsitzende war früher Chef der Jungen ÖVP, der TIWAG-Aufsichtsratspräsident war auch einmal Obmann der Jungen ÖVP und zuletzt Chef der ÖVP Tirol, der heutige Tiroler ÖVP-Chef ist der TIWAG-Eigentümervertreter, der heutige ÖVP-Landtagspräsident und frühere ÖAAB-TIWAG-Betriebsratskaiser hat seinen Sohn als Marketingchef in der TIWAG installiert, der heutige TIWAG-Aufsichtsratspräsident hat seinen einstigen Vorzimmersekretär mit dem millionenschweren PR-Auftrag für die TIWAG-Kraftwerksoffensive bedacht, dieser TIWAG-PR-Mann hat sich als Domaingrabber privat (!) das Tiroler Wasser unter zumindest 25 Internetadressen unter den Nagel gerissen, der vormalige TIWAG-Vorstandschef hat den Mann seiner Tochter auf den Vorstandsposten einer TIWAG-Tochter gesetzt, der Sponsoring-Chef der TIWAG sponsert mit TIWAG-Geld Musical-Auftritte seiner außerehelichen Freundin, der TIWAG-Vorstandschef übersiedelt TIWAG-Versicherungspolizzen zum Unternehmen, bei dem seine außereheliche Freundin Vorstandschefin ist, die TIWAG sponsert Wahlkampf-Werbemittel der ÖVP, die TIWAG ..., die ÖVP ...

Fortsetzung folgt.






"Undankbares Gesindel" (O-Ton Landeshauptmann van Staa) wehrt sich:
Eine Pressekonferenz von zehn (!) Tiroler Antikraftwerks-Initiativen in Innsbruck


Nachbemerkung: Der nach eigenem Verständnis kritischen Zeitschrift "Dossier" der Katholischen Sozialakademie Österreichs war das denn doch zuviel Widerstand im eigenen Land. Nach Lieferung des in Auftrag gegebenen Textes ist die Redaktion vor sich selbst erschrocken und hat eine Veröffentlichung abgelehnt. Man will sich künftig doch wieder lieber brav mit solchen Dritte-Welt-Verhältnissen in der Dritten Welt beschäftigen.

3.7.2007


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