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Wie ein leitender TIWAGler einen Callgirl-Ring aufzieht

(Dieses Eingangskapitel ist am 31. Mai im "Tagebuch" erstveröffentlicht worden.)

Vor drei Tagen in meinem Stammlokal: „He, Markus, Du interessierst dich doch für die TIWAG?“, spricht mich ein jüngeres Ehepaar aus dem Dorf an. „Wie kommt ihr darauf?“ Es sieht so aus, als wollten sie eine Geschichte loswerden. „Warum? Um was geht’s?“ Der Mann: „Komm setzen wir uns da hinten an den Tisch.“
Wir haben dort noch nicht einmal richtig Platz genommen, legt die Frau, wir wollen sie hier Hanna nennen, schon los: Ein TIWAGler, sie kenne ihn sogar vom Sehen, einer in einer höheren Position, betreibe nebenher ein Puff, das nenne sich zwar Begleitagentur, sei aber ein Puff, „Agentur Blind Date“ heiße es, so ein Escortservice oder Hostessenservice, wo man anrufen könne und eine Frau, eine solche Frau, bestellen könne, nach Hause oder ins Hotel oder wasweißichwohin, aber die hätten auch in Innsbruck eine Absteige, in der Höttinger Au, wo ziemlich reger Betrieb herrsche, soviel sie wisse. Als sie zum ersten Mal Atem holt, frage ich, ob sie sich sicher sei, daß das ein TIWAGler sei, der das mache? Ja, hundertprozentig, sagt sie, der habe bei Montagearbeiten im Oberland alle Leute unter sich, der sei der Kapo bei der Instandhaltung der Kraftwerke oder so, und der sei der Chef dieses Puffs, der mache auch diese Homepage für sein Bordell selber, ich solle mir diese Homepage einmal anschauen, da seien auch die Frauen alle drauf, mit Fotos, viele Ausländerinnen, eine Ungarin, eine Spanierin, eine Tschechin und so weiter. Das sei ein Zustellservice sozusagen, wirft Hannas Mann ein als sie kurz am Kaffee nippt, nennen wir ihn Jakob, „Sex auf Rädern“, sagt er, sie beide hätten sogar ein bißchen nachrecherchiert, da sei alles ganz eindeutig, wenn man da anrufe, da gehe es nicht um Begleitung ins Konzert oder so was, sondern nur ums P..., da werde auch nicht drumherumgeredet, die Preise stünden auch auf der Homepage. Wenn das so wäre, sage ich, wäre das ja wohl Zuhälterei und so ein TIWAGler in dieser Position, mit Firmenauto, nehme ich an, verdiene leicht um die 3.500 Euro monatlich, wahrscheinlich fünfzehn Mal im Jahr, plus Zulagen wahrscheinlich, ich könne mir das nicht vorstellen, daß so einer so etwas aufziehe, das sei dann ja das gleiche wie dem Aloys in Ischgl vorgeworfen werde, der verliere doch seinen Job bei der TIWAG, wenn das aufkomme, außer es halte da jemand seine Hand drüber vielleicht, die müßten das ja wissen in der Personalabteilung dort, der Falkner, der Personalchef. In der TIWAG bleibe doch nichts geheim, wie man zuletzt immer wieder gesehen habe, vom Ressort her falle das Personal meines Wissens in die Zuständigkeit vom Wallnöfer, das könne sich der doch nicht leisten in seiner eh schon wackeligen Position, der stehe ja eh auf der Kippe, also ich könne das nicht glauben. Es scheint, als habe Hanna nur darauf gewartet, ihren großen Trumpf auszuspielen. Jakob habe dort angerufen und sich als Kunde ausgegeben und bei der „Manuela“ (Name geändert) mehr als eindeutige Zusagen zum „Bl...“ bekommen und sie selbst habe, weil die ja immer „Damen“ suchten mit „Top-Verdienstmöglichkeiten“, nur so, als angebliche Bewerberin, bei der Agentur Blind Date angerufen und mit der „Dani“ (Name geändert) und mit dem „Peter“ selbst, so heiße der Chef, der TIWAGler eben, ausführlich gesprochen. Und die hätten ihr alles brühwarm erzählt, eben daß sie in Innsbruck auch eine Wohnung hätten und wie die eingerichtet sei, und daß immer Getränke da seien, Prosecco und so weiter und daß sie einen Chauffeur hätten, der die Damen auch zum Kunden oder ins Hotel bringe, im Ötztal zum Beispiel gäbe es Zimmer in einem Hotel, das meiste Geschäft sei momentan in Innsbruck, aber in der Saison in Sölden, sie hätten überhaupt viele Stammkunden im Oberland, vor allem im Ötztal, wirklich, das hat er gesagt, sagt sie - noch bevor ich hätte nachfragen können -, der Chauffeur warte dann vor dem Haus, der sei auch gleichzeitig der Aufpasser sozusagen, und in Innsbruck habe er zum Beispiel Kunden aus dem Hotel Europa und dem Hilton Hotel und auch teilweise prominente Kunden, aber Diskretion sei das Wichtigste. Die Agentur gehe so gut, habe ihr dieser Peter gesagt, „daß mir oft mehr Aufträge hätten und ablehnen müssen, weil mir die Damen nit haben“. Sie hätten da eine, das hat die Dani gesagt, die hätte drei Kunden oft auch am Tag. Zu mir hat er gesagt, der Peter: „Oans sag i dir: Wenn Du viel Zeit hast, nacher machst viel Geld, des kann i dir versprechn!“



Auf der Homepage der Agentur seien Fotos von zehn Frauen, die der TIWAGler selber fotografiert habe, aber, das hat mir auch die Dani gesagt, es arbeiteten wesentlich mehr Mädchen dort. Offiziell in einem Vertrag, den ihm ein Rechtsanwalt für teures Geld ausgearbeitet habe, müßten die Damen erklären, nicht der Prostitution nachzugehen. Den müssten die unterschreiben. Damit meine er wahrscheinlich, sei er fein heraußen. Wie?, frage ich, die Frauen, die dort für ihn der Prostitution nachgehen, müssen erklären, dort nicht der Prostitution nachzugehen? Das ist ja so, entschuldige, sage ich, wie wenn die TIWAG Atomstrom liefert und öffentlich erklärt, daß sie keinen Atomstrom liefert. Aber Hanna ist nicht zu bremsen: Hundertneunzig Euro koste die Stunde, sagt sie, neunzig seien für die Frau, den Rest kassiere die Agentur. Das hat mir diese Dani gesagt. Und daß der Peter total nett sei und daß das Telefon der Begleitagentur 24 Stunden am Tag besetzt sei, hat sie mir auch erzählt. Das ist gut, sage ich, daß sie diesen Begleitservice rund um die Uhr anbieten, weil es könnte ja sein, daß jemand um drei in der Nacht ins Theater gehen möchte und eine Begleitung braucht oder um halbe fünfe in der Früh zu einem Empfang der Industriellenvereinigung oder am Vormittag, was weiß ich, zur feierlichen Vorstellung eines Optionenberichts oder so. Hanna schaut mich prüfend an, ob mir ernst ist mit meinem Unernst. Jetzt, weil ich das sage, falle ihr grad noch etwas ein, sagt sie, nämlich daß die Frauen offiziell vorher kassieren müßten, damit es offiziell eben für die Begleitung in die Wohnung war. Aber in der Praxis, das habe ihr die Manuela gesagt, sei’s natürlich nicht so. Kassiert werde nachher: „Weil du gehst ja a nit einkaffn und zahlst davor!“, habe die gesagt. Der Peter habe ihr gegenüber geklagt, daß er derzeit zu wenig verlässliche Mädels habe, sie meine, der inseriere ja auch ständig zum Beispiel im Blickpunkt, daß er Damen „zur Verstärkung des Teams“ suche, und von einer anderen Seite habe sie gehört, daß er Kontakte in die Tschechei geknüpft habe und versuche, von dort Mädchen zu bekommen. Diese Susanne, die da für den TIWAGler arbeite, auf der Homepage der Agentur Blind Date seien mehr als eindeutige Fotos von ihr, die sei frisch aus einem Puff in der Tschechei gekommen, das wisse sie sicher, es heiße Moulin Rouge irgendwas. Jetzt kennst du die Geschichte, sagt Hanna. Wenn sie dich halt interessiert, sagt Jakob. Ja, und mehr wüßten sie auch nicht. Das war’s. Wir haben dann naheliegender Weise noch ein bißchen über die Kraftwerkspläne der TIWAG geredet, über van Staa, diesen „Wahnsinnigen“ (Jakob), und sind dann gegangen.

Wen’s interessiert:
Hinter der Agentur Blind Date steht die Fischer & Partner KEG, eine Kommandit-Erwerbsgesellschaft, die seit 6.9.2005 besteht.
Firmenbuchnummer: 266967z
Firmensitz: 6433 Oetz
Die Gewerbeberechtigung ist am 29.9.2005 von der BH Imst ausgestellt worden. Geschäftszahl: 2.0 A-5321/05
Gewerbewortlaut: Vermittlung von selbständigen Begleitpersonen
Geschäftszweig: Begleitserviceagentur
Der TIWAGler ist offiziell Kommanditist der Firma.
Die Internetseite der Agentur Blind Date lautet: www.agenturblinddate.com
Sie ist auf den TIWAGler angemeldet (siehe: www.whois.de).
In der TIWAG ist er als Teamleiter Bereich Erzeugung – Kraftwerks-Instandhaltung (BE/KWI) für die Revisionen zuständig und hat den landesweiten Montage-Service-Trupp mit mehr als 50 Mitarbeitern unter sich. Bis vor kurzem saß er auch im TIWAG-Zentralbetriebsrat (FCG/AAB-Liste des ÖVP-LA Anton Pertl). Seit kurzem ist er offizieller Lehrlingsausbildner in der TIWAG.

P.S. Die Internetseite www.dietiwag.org wurde wegen Veröffentlichung der perversen Cross-Border-Leasing-Deals der TIWAG mit teilweise wirklich obszönen Details aus den Verträgen für die TIWAG-Mitarbeiter gesperrt, s. Zeitungsausschnitt oben.
Die hier beschriebene rein informative Homepage des TIWAG-Mitarbeiters hingegen ist natürlich für alle TIWAG-Mitarbeiter frei zugänglich.

31.5.2006

Teil 2: Wie Bruno Wallnöfer selbst in den Strudel hineingerät


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