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Noch ein Skandalgutachten für die TIWAG oder wie der Landeshauptmann freihändig 14.400 Euro Steuergeld verjuxt

Der Landeshauptmann hat sich – so gut kennt er sich inzwischen selbst - schon gedacht, dass man ihm wieder nicht glauben wird: „Ich habe bereits im Vorfeld damit gerechnet, dass von diversen Kraftwerksgegnern oder der Opposition die Unabhängigkeit der Gutachter in Zweifel gestellt wird.“ (Landes-Presse-Aussendung, 22.9.2006)

Van Staa (Leopoldina) will nach eigenen Angaben seinen CVer-Spezl Herbert Mang (Nordgau) von der TU Wien gefragt haben, wen er ihm denn für ein Gutachten für die TIWAG-Projekte empfehlen könnte, und der Herr Vorstand Mang vom Institut für Festigkeitslehre soll ihm dann seinen TU-Spezl Brauner, den Vorstand vom Institut für Energiewirtschaft, wärmstens „als unabhängigen Experten“ empfohlen haben. Klüngelt’s schon? Dabei hätt’ van Staa diesen wirklich billigen Tipp noch um einiges billiger haben können – von der TIWAG selbst. Denn in ihren Diensten steht der gute Herr Gutachter Brauner schon seit Jahren. So. Und was tut der ertappte Landeshauptmann, der auf dieser Seite schon mehrfach der Lüge überführt worden ist (und wohlweislich noch kein einziges Mal den Schritt zum Gericht gewagt hat)? Das, was er am besten kann - er poltert:
„Die Unabhängigkeit dieser Gutachter anzuzweifeln ist unfassbar!“ (Landes-Presseaussendung vom 22.9.2006)
Schauen wir einmal!

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Bereits seit Beginn der Kraftwerkskampagne voll in die TIWAG-Propaganda eingebaut: der „neutrale“ Herr Gutachter Brauner (hier in einer Zeitungsanzeige vom Jänner 2005)

Schauen wir einmal, was hier wirklich unfassbar ist.
Univ.-Professor Günther Brauner gilt in der Branche als berüchtigter Fließbandgutachter. Und so hat er auch nach dem Auftrag zu einer energiewirtschaftlichen Begutachtung des Fortschrittsberichts am 3. Juni 2006 (durch den Landeshauptmann persönlich) trotz laufender Lehrtätigkeit an der TU und der vielen Prüfungstermine zu Semesterende sein TIWAG-Gutachten am 29. Juni 2006 ruckzuck bereits fertig. Schließlich hat er ja auch noch etwas anderes zu tun. Der so unabhängige Experte Brauner, den der Herr Landeshauptmann nur durch den zwischengeschalteten Detektiv Mang überhaupt ausfindig hat machen können, sitzt nämlich seit vielen Jahren im Aufsichtsrat der Verbund AG. Und erhält dort vom Vorstand, den er laut Aktiengesetz eigentlich zu kontrollieren hätte, serienweise Aufträge „für diverse Studien für den Verbund“ (Kurier, 17.10.2006). Und hat dafür allein im Jahre 2005, bitte anschnallen!, 95.500 Euro kassiert (Standard, 18.10 2006).

Professoren-Gutachten oder Sekretärinnen-Report?

Würde das von Univ.-Prof. Brauner abgegebene Gutachten bei ihm als Seminararbeit eingereicht werden, müsste er es ohne Zweifel glatt zurückweisen. Es handelt sich hier um fahrlässigen, in meinen Augen schon kriminellen Umgang mit Steuergeld auf der einen Seite (Land Tirol) und nichts anderes als Taschlzieherei auf der anderen. Ich gehe – und das jetzt noch zum Schutze des Professor Brauner! – jede Wette ein, dass er diesen als „Gutachten“ bezeichneten Schund nicht selbst geschrieben hat.
Ich habe dies auch ihm selbst bereits vor vier Wochen mitgeteilt und ihn ersucht, „mir bitte den Namen Ihrer Sekretärin zu nennen, die es zusammengeschustert hat“. Dass Brauner bis heute nicht darauf reagiert hat, zeigt, dass er eben wirklich einstecken kann, auch im übertragenen Sinne. „’Ihr’ Gutachten“, hab ich den Professor wissen lassen, „strotzt nur so vor Schreib-, Tipp- und Zitierfehlern. Glauben Sie nicht, dass Sie dieses Gestammel wenigstens vor dem Absenden hätten kurz gegenlesen sollen bzw. möchten Sie nicht Ihrer Sekretärin auf Weihnachten wenigstens ein Rechtschreibprogramm schenken?“

Aber der Reihe nach: Das von van Staa angeforderte und von ihm auch noch nach Eintreffen so bezeichnete „Fachgutachten“ besteht – inklusive Deckblatt, Zusammenfassung und Literaturliste - aus 26 Seiten in großer Schrift mit übergroßem Zeilenabstand. Zieht man dieses Drumherum sowie die gesamte Einleitung ab, verbleiben noch 19 Seiten. Obwohl der Auftrag für die Expertise sich klar auf die Überprüfung der vier verbliebenen und im sog. Fortschrittsbericht der TIWAG dargestellten Kraftwerksprojekte bezog, liefert Brauners Sekretärin in seinem Gutachten (im Juni 2006) eine Nacherzählung aller sechzehn seinerzeitigen (und bereits im Sommer 2005 endgültig ausgeschiedenen) TIWAG-Optionen. Länge mal Breite palavert sie da über Optionenbericht (drei Seiten), Synthesebericht (neun Seiten) und Fortschrittsbericht (eine Seite). Völlig für die Würscht. Hier hat sie sozusagen einfach Blindtext eingefügt, um Zeilen zu schinden, Seiten zu schinden, Honorar zu schinden. Für das eigentliche Gutachten, das im übrigen auch völlig an der Aufgabenstellung vorbei geht, verbleiben damit gerade noch sechs Seiten.
Van Staa dazu in einer schriftlichen parlamentarischen Anfragebeantwortung vom 7.11.2006: „Die Honorarnote ... des Herrn Univ-Prof. DI Dr. Günther Brauner für die Erstellung des Gutachtens ‚Projektvorschläge für den weiteren Ausbau der heimischen Wasserkraft entsprechend Fortschrittsbericht der TIWAG vom 24. Mai 2006’ betrug Euro 14.400,--“. „Betrug“, der Landeshauptmann sagt es selbst.

Vermutlich war’s ja auch gar nicht so gedacht, dass sich jemand Brauners Machwerk wirklich anschaut, man wollte ja bloß in der Öffentlichkeit ein bisschen herumfuchteln damit, sich sozusagen ein bisschen Atemluft zufächeln in der Hitze der Auseinandersetzung mit den Bürgerinitiativen:
„Das energiewirtschaftliche Gutachten von Prof. Brauner deckt sich weitgehend mit den energiewirtschaftlichen Überlegungen der TIWAG“, sagte van Staa anlässlich der Präsentation am 21. September 2006 ohne auf den Inhalt einzugehen. Und die TIWAG behauptet gar, Brauners Arbeit habe zu einer „gesamthaften Optimierung“ des Sellrain-Silz-Projekts beigetragen (TIWAG aktuell, Dezember 2006).

Darauf hin war die Sache angelegt. Und Brauners Sekretärin verplappert sich auch noch gleich eingangs ihres Gutachtens. Es gehe bei diesem Auftrag des Landeshauptmannes um die „energiewirtschaftliche Bewertung der Notwendigkeit (upps!) der geplanten Ausbaumaßnahmen der Wasserkraft“, schreibt sie. „Notwendigkeit“ schreibt sie statt neutral „Sinnhaftigkeit“. Und dann stellt sie für ihr Gutachten „energiewirtschaftliche Bewertungskriterien“ auf, die „zur Begründung (upps!) der mittelfristigen Ausbauvarianten herangezogen werden“. Auweia! „Beurteilung“ statt „Begründung“ hätte sie zur Wahrung des schönen Scheins schreiben müssen.



Alles falsch! Ausschnitt aus dem Fachgutachten (Seite 25)

Das was hier abgeliefert wurde, ist Pfusch und sollte bestraft und nicht noch honoriert werden. Da wird kein Quark ausgelassen, den nicht schon die TIWAG in den vergangenen zwei Jahren breitgetreten hätte.
Der Stil ist der Mensch, sagt man. Auch hier entspricht die äußere Form des Gutachtens kongenial oder besser katastrophal dessen innerer Qualität. Zwanzig verschiedene (!) schwere Rechtschreibfehler findet man mühelos auf diesen 26 Seiten, obwohl ohnehin der Großteil des Textes, wie gesagt, lediglich aus TIWAG-Berichten einkopiert ist. Dadurch dass bei den Fülltexten mit sogenannten Textbausteinen wild herumgefuhrwerkt wurde, haben sich Fehler auch multipliziert: „negativen Bewertungsmerkmale“ kommen sechsmal vor, „aus Wasserwirtschaftlicher Sicht“ zehnmal. Das ganze hat offenbar wirklich bis heute noch kein einziger Mensch angeschaut, sonst stünde es nicht immer noch abrufbar auf der Homepage des Landes Tirol. So folgt auf das Kapitel 4 in Brauners Skandalgutachten (Seite 8) nicht etwa Kapitel 5, sondern ein neuerliches Kapitel 4 (Seite 16)! Nach „Tabelle 4.1“ auf Seite 15 findet sich ebendort „Tabelle 5.1“ und dann auf Seite 17 wieder eine andere „Tabelle 4.1“.

Ich habe den Herrn Universitätsprofessor Brauner in meinem Schreiben vom 20. Dezember 2006 auch schon gefragt, ob er glaube, „dass Deutsch eine zu schwierige Sprache für die Abfassung eines Gutachtens“ sei. Er hat bis heute nicht widersprochen.
Schauen wir uns hier fairer Weise nur jene sechs Seiten an, die noch am ehesten - wenn schon nicht von Brauner selbst - von seiner eigenen Sekretärin sein könnten:
„Derzeit wird bei der TIWAG die Elektrizitätserzeugung ausschließlich aus Wasserkraft gewonnen“, „die fossile Erzeugung besteht aus Braunkohle-, Steinkohle- und Gaskraftwerken“, „die Elektrizität ist frei von CO2-Emissionen“ und „es besteht die Verpflichtung, die Sicherheit der Versorgung mit Elektrizität jederzeit sicherzustellen“. Für so etwas schmeißt der Landeshauptmann 200.000 Schilling Steuergeld hinaus. Und für solches auch: „Die Grundlastkraftwerke haben ... eine höhere Erzeugung als der Bedarf“, „Pumpspeicher stellen über Stromabtauschverträge eine ergänzende Möglichkeit dar, über Stromabtauschverträge fehlende Grundlast aufzubringen“, „Strombedarf, der ... benötigt wird“ und „20 % der für das Pumpen aufgenommenen Energie geht infolge von Verlusten verloren“.

Und was sagt der Staatist des Landeshauptmannes, sein unsäglicher Stellvertreter Hannes Gschwentner zu diesem Gutachterauftrag an Brauner? Das: „Deshalb war es auch wichtig, dass Landeshauptmann van Staa in objektiver Weise weitere unabhängige Gutachten eingeholt hat.“ (Pressekonferenz, 21.9.2006). Nebenbei: Ich habe es einmal auf mich genommen und mich einen ganzen Abend lang mit Hannes Gschwentner zusammengesetzt, um drauf zu kommen, ob dieser Mensch wirklich so unfassbar beschränkt ist. Das Testergebnis war positiv.
Nachdem der Landeshauptmann also diesem völlig „unabhängigen Experten“ den Auftrag zur Begutachtung der TIWAG-Projekte erteilt hat, hat sich sinniger Weise die TIWAG gleich zu einer Vorbesprechung mit dem Professor Brauner zusammengesetzt und ihm gesagt, was in seinem Gutachten über sie stehen und zu welchem positiven Ergebnis seine Expertise kommen solle. Dieses Treffen hat am Samstag vor Pfingsten, „Fest der Hoffnung“, 2006 in Innsbruck stattgefunden.

Experts for hire
„Man bekommt von jedem Professor, die Studie, die man haben will.“
(Herwig van Staa, in der Tiroler Tageszeitung, zwei Tage vor Auftragsvergabe an Günther Brauner)


Auch die verbleibenden sechs Seiten, die nicht Einleitung oder Zusammenfassung der Arbeit oder elendslange banale Wiederholungen aus „Optionenbericht“, „Synthesebericht“ und „Fortschrittsbericht“ sind, gehen völlig an der gestellten Aufgabe vorbei. Von einer notwendigen konkreten Einschätzung des energiewirtschaftlichen Profils der vier Projekte ist dieser Abklatsch weit entfernt. Dieses Skandalgutachten zur „Grundlage für eine richtungsweisende Entscheidung des Landes Tirol“ zu nehmen, wie der Landeshauptmann angekündigt hat, ist fahrlässig. Keine eigene Erhebung, keine eigene Berechnung, kein gar nix. Nicht ein originärer Satz oder auch nur einer, der nicht schon auf den PR-Seiten der TIWAG zu lesen gewesen wäre. Man bestätigt einander wechselweise und klopft sich gegenseitig auf die Schulter. So kann man einen Beweis auch führen.

Beispiel: In einer Studie für den Verband der Elektrizitätswerke Österreichs (deren Vizepräsident übrigens Bruno Wallnöfer ist) im Jahre 2004 hat Günther Brauner bis 2015 einen jährlichen Verbrauchszuwachs beim Strom von 2 Prozent geweissagt. Die TIWAG hat diese Zahl von Brauner dankbarst übernommen und unter ausdrücklicher und ausschließlicher Berufung darauf ihr Bedarfsszenario in der Kraftwerkspropaganda aufgebaut. Und der Gutachter gutachtet jetzt im Gutachten für die TIWAG: „Das dargestellte Bedarfszenario erscheint realistisch und wird von anderen Untersuchungen bestätigt“, wobei er zur Untermauerung mit Fußnote wieder auf seine oben angeführte eigene Studie verweist.

So wie die TIWAG in ihrer Werbeflut sich ohne Ende dieses Professors bedienen darf und bedient, ist davon auszugehen, dass er auch auf ihrer Gehaltsliste seinen festen Platz hat. Sozusagen nicht umsonst wirft er sich in fast jeder der unzähligen von ihr finanzierten TT-Sonderbeilagen zur „Energiewirtschaft“ für sie in die Schlacht („Pumpspeicher entlasten die Umwelt“ „Pumpspeicher werden wichtiger“, „Es ist eigentlich schon fünf nach zwölf“).

Es ist ausgesprochen schwierig, diese ganze Stümperei zu kritisieren, weil im Gutachten keine Substanz da ist, der man ein Argument entgegensetzen könnte. Brauner bleibt weit hinter den energiewirtschaftlichen Ergebnissen des Syntheseberichts zurück. Weder er noch seine Sekretärin haben sich mit den konkreten Verhältnissen in Tirol beschäftigt. Laut van Staa beinhaltet das Honorar für Brauner auch die „Reisekosten für Lokalaugenscheine“. Es ist jedoch völlig ausgeschlossen, dass der Gutachter oder seine Sekretärin sich auch nur in die Nähe eines der vier zu bewertenden Projektstandorte begeben haben. Vielleicht hätte man aber trotzdem erwarten können, dass im Gutachten nicht von einem „Ausbau von thermischen Kraftwerken“ in Tirol phantasiert wird (Seite 5), wo im ganzen Lande überhaupt keines und damit erst recht kein auszubauendes existiert. (Die Biomasse kann Brauner hier unmöglich gemeint haben, denn sie kommt im gesamten Text nicht ein einziges Mal vor.)



Schludrig abgeschrieben: „kein Potenzial aus natürlichem Zufluss“ ist für Brauner sowohl ein positives Bewertungsmerkmal als auch ein negatives Bewertungsmerkmal (Brauner-Gutachten Seite 11)


Ein von den Projekt-Fakten völlig „unabhängiges Gutachten“

Die TIWAG hat den Professor Brauner gebeten, in seinem Gutachten zum Schein auch auf „Argumente der Gegner“ einzugehen. Was er dort aber dann auf zwei Seiten unter dem Titel „Stellungnahme zu energiewirtschaftlichen Gegenargumenten“ verzapft, hat mit unseren Kritikpunkten herzlich wenig zu tun und geht auch völlig am Anlagenprofil und an der Betriebscharakteristik der Tiroler Speicherkraftwerke vorbei. Er hat offensichtlich keine Ahnung, wie die Kraftwerke Sellrain-Silz und Kaunertal gefahren werden und es interessiert ihn offenbar auch nicht. Das ist so etwas von grundfalsch, dass sich der Vorwurf von Honorarerschleichung mit einiger Berechtigung erhebt.

Liebes Sekretariat des Vorstands des Instituts für Elektrische Anlagen und Energiewirtschaft an der Technischen Universität in Wien, Gusshausstraße 25-29, A-1040 Wien! Die TIWAG betreibt derzeit kein Regelkraftwerk und auch kein Spitzenkraftwerk. Das Kaunertalkraftwerk wird vom Ruhrgebiet aus ein- und ausgeknipst und Sellrain-Silz von Bayern aus. Punkt. Und das soll sich, so hat es Wallnöfer angedroht, auch durch den Ausbau von Sellrain-Silz nicht ändern. Punkt. Wo man hinschaut in diesem Gutachten, sieht man, dass den Professor außer dem Honorar gar nichts interessiert hat. Alles ist so dubios und nebulos, dass Brauner nirgends greifbar wird. (Am ehestens vielleicht noch für die Justiz.)
Dabei hätte eine Auseinandersetzung mit den „Argumenten von Gegnern“ wie sie allein zum Beispiel auf dieser Seite x-fach vorgetragen werden, zumindest für uns höchst interessant werden können. Aber diese hat er wohlweislich genau so gescheut wie sie die TIWAG scheut. Trotzdem können wir es ihm, der TIWAG und dem Landeshauptmann nicht ersparen, sich mit der Studie der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich über „Die wirtschaftliche Zukunft der Wasserkraft“ auseinander zu setzen, die zu ziemlich entgegengesetzten Ergebnissen bezüglich der „Konkurrenzfähigkeit“ neuer Pumpspeicherkraftwerke kommt wie Brauner.

Als Propagandist der E-Lobby versucht er den mächtig aufgeblasenen drohenden europaweiten Strommangel („Verknappung an Kraftwerkskapazitäten“ „600.000 MW fehlen“, „Preis- und Verfügbarkeitsrisiken“ – Seite 21) für die „Begründung“ der „Notwendigkeit der geplanten Ausbaumaßnahmen“ heranzuziehen. Wir kennen diese papageienhaft nachgegackerten Phrasen seit langem aus dem Munde Wallnöfers: „Verknappung und Verteuerung der elektrischen Energie“, „die EU braucht 600.000 Megawatt“, „zunehmendes Verfügbarkeits- und Preisrisiko“. Einmal unterstellt, Strom würde wirklich knapp demnächst in Europa, dann wäre es so ziemlich das allerdümmste, Pumpspeicherkraftwerke als zusätzliche Stromfresser zu errichten. In Wahrheit geht es um ganz etwas anderes als im vorlügenden Gutachten behauptet wird. Ein Kollege Brauners, der Energiewirtschaftler Hans Auer, ebenfalls von der TU Wien, im Wirtschaftsteil der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zu den TIWAG-Projekten befragt, sieht ganz andere Motive für die angezettelte Kraftwerksoffensive: „Aus seiner Sicht ist der Ausbau zur Versorgungssicherheit nicht notwendig. Vielmehr gehe es dem Unternehmen darum, an den internationalen Strombörsen lukrative Handelserlöse zu erzielen.“ (FAZ, 30.12.2005)

Das Pumpspeicherkraftwerk im Kühtai, so wie es heute da steht, verbraucht jetzt schon 25 Prozent mehr Strom als es erzeugt. Eine um zwei zusätzliche Pumpspeicherkraftwerke und einen Stausee vergrößerte Kraftwerksgruppe würde noch mehr von diesem angeblich fehlenden europäischen Strom vernichten. Schlussendlich stünde nach dem geplanten „Ausbau von Sellrain-Silz“ (Brauner: „Die Auswahl der Optionen entsprechend dem Fortschrittsbericht kann aus energiewirtschaftlicher Sicht bestätigt werden.“) nicht mehr, sondern weniger Strom zur Verfügung. – Dazu Vorstandsdirektor Niklaus Zepf vom schweizerischen Energieriesen AXPO: „Ohne zusätzliche Bandenergie, also ohne neue Gas- oder Atomkraftwerke können die neuen Pumpspeicherkraftwerke nicht betrieben werden.“ (Bieler Tagblatt vom 15.08.2006)



Jeder erstsemestrige Student Brauners müsste bei diesem Nonsens, den jener von sich gibt, laut ausrufen: „Nein, Herr Professor! Setzen! Fünf!“ Noch ein – letztes - Beispiel: Auf Seite 20 seines Gutachtens behauptet der Gute: „Die in Pumpspeicherkraftwerken im Turbinenbetrieb bereitgestellte Regelenergie führt unter Berücksichtigung eines Gesamtwirkungsgrades von Pumpspeichern von etwa 80 % zu Emissionseinsparungen gegenüber dem Einsatz von Gas-Regelkraftwerken.“ Womit er gleich zwei katastrophale Fehler in einem einzigen Satz untergebracht hat.

1. Der Gesamtwirkungsgrad (!) von Pumpspeicherkraftwerken muss den Wirkungsgrad der Lieferkraftwerke für den Pumpstrom berücksichtigen (AKW: 33 %, Kohlekraftwerk: 42 %, Gaskombikraftwerk: 58 %) und diesen mit den 75 % oder bestenfalls 80 % des Wirkungsgrades der Pumpe multiplizieren, worauf wir bei ca. 26, 33 oder bestenfalls 46 Prozent landen. Drei Seiten weiter lässt der Universitätsprofessor Brauner sich zu der Aussage hinreißen, durch den Einsatz von Pumpspeicherkraftwerken könne der Wirkungsgrad von „Gasturbinen“ oder „Gas-und-Dampfkraftwerken“ verbessert werden. In Wahrheit wird er beim Pumpen noch einmal reduziert! Selbst Brauners TIWAG-Gutachterkollege Hans-Jürgen Haubrich von der TU Aachen, der für die TIWAG den unsterblichen Werbeslogan „Pumpspeicherkraftwerke sind Geschwister der Wasserkraft“ geprägt hat (siehe Tagebuch-Eintrag auf dieser Seite vom 25.10.2005), rechnet den „Gesamtwirkungsgrad“ richtig, indem er den Wirkungsgrad des Lieferkraftwerks für den Pumpstrom mit dem Wirkungsgrad des Pumpspeicherkraftwerks selbst multipliziert, in seinem Rechenbeispiel „knapp 38% (47% x 80 %)“ (Haubrich-Gutachten vom September 2005, Seite 5).
2. Dementsprechend muss bei der im Pumpspeicherkraftwerk erzeugten Energie die Emissionsfracht der Basiskraftwerke (Kernenergie, Kohle, Öl, Gas) in die Rechnung einbezogen werden und dann sogar noch mit 1,3 multipliziert werden. Es gibt folglich keinen schmutzigeren Strom als den in Pumpspeicherkraftwerken erzeugten, weil in ihm der Dreck aus Atomkraftwerken und aus fossil-thermischen Kraftwerken in 130prozentigem Konzentrat vorhanden ist. Im Zusammenhang mit den geplanten neuen Pumpspeicherprojekten der TIWAG von einer „Emissionseinsparung in Tirol durch Wasserkraft“ (Brauner) zu reden, ist eine üble Schändung der Wahrheit.

„Wenn Sie ‚Ihr’ Gutachten jetzt so lesen, vielleicht zum ersten Mal“, hab ich Professor Brauner gefragt, „finden Sie dann nicht, dass es eine Frechheit ist, dafür 14.400.— Euro in Rechnung zu stellen?“ Wenigstens hat er das bis heute nicht in Abrede gestellt.
Vielleicht hat aber - wie so oft geschehen in diesem Gutachten - seine Sekretärin auch auf der Honorarnote nur eine falsche Zahl einkopiert.



Auf der offiziellen Internetseite des Landes Tirol läuft dieses Skandalgutachten gar als „Landeshauptmanngutachten“:
Die Datei nennt sich dort „lhm-gutachten-2pdf“.



Siehe auch:
"Brief an den Landeshauptmann" vom 22. Jänner 2007 - Betr.: "Empfehlung zur Selbstanzeige"

15.1.2007


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