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TIWAG-"Optionenbericht" - EXKLUSIV

Die TIWAG, so plappert es in den Zeitungen, arbeitet an einem "Optionenbericht" zum Bau neuer Megakraftwerke in Tirol.
Aber: "Optionen", Wahlmöglichkeiten, ist schon das falsche Wort. Als könnte die TIWAG wählen, was sie wo auf unserem Grund und Boden baut, welchen Gletscherbach sie plündern, welches Hochtal sie ersäufen darf! So weit sind wir noch lange nicht! Nur weil in Nachbars Obstgarten noch Platz für ein Häuschen wäre, habe ich noch lange nicht die Wahlmöglichkeit, mir dort eines zu bauen.
Was die TIWAG demnächst veröffentlichen wird, ist ihr Traumbüchl und nicht ein "Optionenbericht". Wie bei Phantasievorstellungen üblich, existieren nur die Örtlichkeiten, die sie darin anspricht, wirklich, ihr Zugriff darauf aber ist reine Halluzination.
Die Projekte, die die TIWAG präsentieren wird, hat sie unter einer schon ziemlich tiefen Staubschicht herausgezogen. Bis November will sie die Eselsohren aus den Papieren herausstreifen und die Zettel mit einer Heftklammer neu zusammenheften. Um so etwas wie eine Option kann es sich hier nur insofern handeln, als die TIWAG natürlich die Option hat, diese Blätter im Oktober ins Landhaus hinüberzutragen oder im November.

dietiwag.at veröffentlicht hier vorab exklusiv © den für Herbst angekündigten "Optionenbericht der TIWAG".
Dieser beinhaltet nebst einem umfangreichen Teil, der mehr umständlich als glaubhaft die Notwendigkeit neuer Investitionen in die zusätzliche Stromerzeugung argumentiert, konkret insgesamt zwanzig durchgerechnete Kraftwerksprojekte bzw. Projektvarianten.





Erläuterung:
"Ausbau Sellrain-Silz":
Diese vier "Optionen" stellen Ausbauvarianten der bestehenden Anlage Sellrain-Silz dar. Hier wäre durch weitere Beileitungen von Bächen aus dem Stubai mit der zusätzlichen Erzeugung von 151 GWh (in der größeren Variante 1a) bzw. 96 GWh (in der kleineren Variante 1b) zu rechnen.
Die weiteren Ausbau-Pläne dieser Kraftwerksgruppe sehen in Variante 2 und Variante 3 den Einbau zusätzlicher Turbinen und Pumpen vor, in der letzteren der beiden, der Maximalvariante, ist dazu auch noch (wie oben) die Zuführung frischer Alpenbäche vorgesehen.

"Kraftwerksgruppe Ötztal":
Hier ist die Variantenbreite besonders groß, weshalb die Ötztal-Pläne an anderer Stelle ausführlich dargestellt werden. Diese Gruppe brächte bei weitem die größte Leistung (1759 MW) und in der Variante mit nur einem Staussee im Sulztal auch den bei weitem größten Wasserspeicher mit einem Nutzinhalt von 216 000 000 m3 Wasser. Auch die Investitionskosten lägen hier mit 2,449 Milliarden Euro im astronomischen Bereich.

"Ausbau Kaunertalwerk":
Die Variante 1 besteht hier aus einer zusätzlichen Turbine im Krafthaus Prutz mit einem zusätzlichen eigenen Triebwasserweg, um das Fassungsvermögen des Gepatschspeichers (entgegen der derzeitigen Übung) im Sinne eines Spitzenkraftwerks abarbeiten zu können.
Die Kaunertalwerk-Varianten 2-5 sehen jeweils einen Speicher Rifflsee mit einem Nutzinhalt von 45 bis zu 141 Mio. m³ vor. Hier sind dann je nach Variante verschieden leistungsstarke Pumpwerke (von 150 MW bis 450 MW) vorgesehen, wobei bei entsprechend angepaßten Turbinenleistungen (von 150 MW in der kleinsten bis zu 1100 MW in der maximalen Variante) eine zusätzliche Jahreserzeugung von 126 bis 760 Gigawattstunden rechnerisch möglich erscheint. Hier wäre allerdings je nach Variante auch die Ableitung mehr oder weniger aller ostseitiger Bäche zwischen Pfunds und Fendels nach Prutz nötig sowie die Überleitung von Gletscherbächen aus dem hinteren Ötztal in den Rifflsee.

"Ausbau Kraftwerk Naturns":
Die TIWAG möchte sich am Ausbau des bestehenden Kraftwerks Naturns der Etschwerke AG im Südtiroler Vinschgau beteiligen. Über einen neu zu schaffenden Speicher (Fassungsvermögen von 96 Mio. m³) sollen hier mit der Turbinenleistung von 800 MW pro Jahr 760 GWh erzeugt werden, wobei auch an eine Pumpenleistung von 300 MW gedacht ist. Bei der enorm hohen gerechneten Wasseraufbringung sind auch hier die Gletscherbäche aus der Ötztaler Gruppe ins Auge gefaßt. Durch die Einbringung von Wasser aus Nordtirol könnte die TIWAG mittels einer neu zu gründenden Etschwerke-TIWAG-Gesellschaft in Südtirol Fuß fassen.

"Ausbau Kraftwerk Achensee"
Das offiziell Achensee II genannte Projekt sieht ein Pumpspeicherkraftwerk (Kaverne) mit einem unteridischen, fußballfeldgroßen Zwischenspeicher in Jenbach vor. Die zusätzliche Ableitung der Steinberger Ache in den Achensee würde für die Energiegewinnung nicht wirksam werden, sondern durch die etwas raschere Wiederbefüllung des abgesenkten Achensees nur der Optik dienen.

"Speicheranlage Malfon":
Im Malfontal, einem Seitental des Stanzertales bei Pettneu am Arlberg, wird ein Speicher mit 14 Mio. m³ Fassungsvermögen überlegt, wobei durch das natürliche Gefälle 53 Gigawattstunden erzeugt werden könnten.

"Speicheranlage Fotschertal":
Von einem kleineren Speicher im Fotschertal (Sellrain) könnten 9 Mio. m³ Nutzinhalt (immerhin noch das Dreifache des Längentalspeichers im Kühtai) abgearbeitet werden, wobei 57 GWh jährlich gewonnen würden.

"Pumpspeicheranlage Winkeltal":
Von Außervillgraten in Osttirol zweigt östlich das Winkeltal ab, wo die TIWAG sich einen Jahresspeicher von 25 Mio. m³ Stauraum wünscht. Dieser würde im Pumpbetrieb befüllt und als Oberstufe des Draukraftwerkes Straßen-Amlach fungieren und damit dessen bescheidenen Wirkungsgrad verbessern.

"Pumpspeicheranlage Raneburg-Matrei":
Ganz dicht am bestehenden Nationalpark Hohe Tauern, am Tauernbach bei Raneburg (Gemeinde Matrei i. Osttirol), möchte die TIWAG bald einen Speicher stehen haben und diesen mit Pumpwasser bedienen. Die Jahresleistung der Anlage würde 150 GWh betragen bei einer Turbinenleistung von 100 MW.

Der "Optionenbericht" listet im weiteren noch Projekte auf, die als "zurück gestellt" bezeichnet werden.
Das erstangeführte "Ausleitungskraftwerk Matrei-Lienz" ist in seiner Sinnhaftigkeit davon abhängig, was derzeit und demnächst oberhalb von Matrei geschieht. Erst die projektierten Werke würden die Wasserführung der Isel und damit die Effektivität des Ausleitungskraftwerkes erhöhen.
Das "Ausleitungskraftwerk Imst-Mötz", bei dem auf ein brauchbares Inn-Gefälle spekuliert wird, ist in seiner Winter-Wasserfracht ebenfalls von den diskutierten Projekten oberhalb von Imst beeinflußt und wird wohl nur deshalb hier zurückgestellt.
Die nachfolgenden Innstufen Stams, Telfs, Zirl usw. werden im "Optionenbericht" nur zusammengefaßt (Gesamtleistung dieser Laufkraftwerke zusammen: 878 GWh) und als vorläufig nicht aktuell dargestellt.
Eigene Erwähnung findet dann noch die "Innstufe Breitenbach", die aufgrund des erzielbaren Gefälles von 11 Metern zumindest im Vergleich mit der bereits verwirklichten (unrentablen) Staustufe Langkampfen etwas besser abschneiden würde.
Das "Grenzkraftwerk Inn" scheint in dieser Projekt-Liste nicht auf, weil es sich dabei um ein zwischenstaatliches Gemeinschaftskraftwerk Schweiz-Österreich handelt, bei dem die TIWAG dann auch noch bloß der innerösterreichische Partner der Verbundgesellschaft ist. Die jährliche Produktion von 424 Mio. kWh (wovon ca. ein Drittel der TIWAG zustehen könnte) möchte man durch eine Inn-Umleitung erzwingen, das zugehörige Krafthaus würde zwischen Ried und Prutz zu stehen kommen.

Nicht angeführt in dieser Auflistung der Begehrlichkeiten ist vorläufig die „Speicheranlage Stubai“. Es würde aber sehr verwundern, wenn sie nicht noch nachgereicht würde, schon um dann nach Widerständen wenigstens ein im Vergleich kleineres Projekt verfolgen zu können. Die konkrete Variante sieht einen Speicher Sulzenaualm mit einem Fassungsvermögen von 36 Mio. m³ vor, die Ableitung von Mutterbergbach, Fernerbach, Langebach und Simmingbach, das Wasserschloß bei der Elferhütte und die Kraftwerkskaverne bei Neustift. Dieses jetzt aktuelle TIWAG-Projekt beruht auf den Planungen, die die TIWAG 1992 noch im Auftrag der ÖBB durchgeführt hat. Bis zur Minimalvariante - der Ableitung der oberen Ruetz ins Ötztaler Sulztal - ist hier alles möglich und alles zu befürchten.

Außer Konkurrenz:
Einige Projekte sind im vorliegenden Bericht schon deswegen nicht angeführt, weil sie mit unter 50 GWh nicht in die Kategorie "Großkraftwerke" fallen. Beispiele:
"Kraftwerk Unterpaznaun": Vorgesehen wäre die Fassung mehrerer südlicher Zufluß-Bäche der Trisanna in der Höhe der Waldgrenze und ihre Ableitung durch Stollen zum Krafthaus im Gemeindegebiet von See (48 Mio. kWh/Jahr). In der größeren Variante mit Speicher beim Grübalasee würde allerdings auch diese Anlage zum Großkraftwerk.
"Kraftwerk Innervillgraten": Über einen Saisonspeicher im Arntal mit einem Fassungsvermögen von 26 Mio. m³ könnten 20 Mio. kWh jährlich erzeugt werden.

Bezüglich näherer Informationen zum "Optionenbericht" wenden Sie sich bitte an:



Knapp bevor die TIWAG diesen "Optionenbericht" dem Landtag vorlügen wird, wird eine als Informationskampagne getarnte Desinformationskampagne auf die Bevölkerung losrollen. Kampagne heißt Feldzug, und das ist genau der richtige Ausdruck für das, was Wallnöfer im Verein mit seinem wahrlich teuren Freund und persönlichen PR-Berater Bernhard Platzer hier vorhat. Generalstabsmäßig planen die beiden Reserveoffiziere des österreichischen Bundesheeres ihren Angriff, wobei sie versuchen wollen, als ihre großen Geschütze die großen Zeitungen gegen uns in Stellung zu bringen. Aber das Pulver, das der eine nicht erfunden hat, wird der andere bald verschossen haben.

27.9.2004

 
 optionenbericht


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